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Menorah · 1931-11-01 · Heft 11-12 (November 1931) · p. Seite 502

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 11-12 (November 1931)
Article
Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
Date
1931-11-01
Page
Seite 502 (sequence 3)
Language
German
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502 MENORAH zögert, solange der Kaiser die vorgestreckte Summe nicht zurückgezahlt hatte, konnte Gracia Antwerpen nicht verlassen. Gracia und Joseph Nassi hatten in der Zwischenzeit genügend Muße, um sich nach einem Lande umzusehen, in dem ihr großes Vermögen gewinnbringend arbeiten könne. Besonders Josephs abenteuerlicher Geist suchte einen Wirkungskreis, der seinem Betätigungsdrange keine Grenzen setzte. Die durchlauchtigste Republik Venedig war Anfang des sechzehnten Jahrhunderts so blühend und mächtig geworden, daß alle Fürsten Europas sich verbündeten, um sie zu vernichten. Der unglückliche Ausgang des Krieges gegen die Liga von Gambrai hatte das Gebiet der Republik arg beschnitten, die Kassen erschöpft, Handel und Wandel begannen zurückzugehen. Aber immer noch war Venedig die große Metropole, immer noch brauchten alle Nationen Europas die Vermittlung der Inselrepublik, um sich die Waren des fernen Orients zu verschaffen oder venetianische Produkte, die eine im übrigen Europa ungekannte Vervollkommnung und Feinheit erreichten, immer noch wurde Venedig nach seinem einstigen Range behandelt. Bis an das Ende des sechzehnten Jahrhunderts blieb es das Centrum aller politischen Intrigen und Verhandlungen. Es war der geeignete Platz für den unternehmungslustigen Joseph Nassi. 'Der Kaiser zahlte die Anleihe zurück. Aber in dem Augenblick, in dem die Familie Nassi sich anschickte Flandern zu verlassen, schleuderte der Herrscher die Anklage der Ketzerei der Abwechslung halber gegen Dona Gracia und ihre Schwester. Um der dem Vermögen der beiden Frauen drohenden Konfiscation vorzubeugen, mußten die stets geöffneten Hände der kaiserlichen Umgebung wiederum mit Gold gefüllt werden, endlich waren alle Hindernisse beseitigt, gegen Ende des Jahres 1547 oder Anfang 1548 traf die Familie Mendez-Nassi in Venedig ein. Dort gesellte sich Samuel Nassi dazu, ein Bruder Josephs. In Venedig wurde Gracia von neuen Schicksalsschlägen heimgesucht. Doch diesmal kamen sie von einer Seite, von der Gracia am wenigsten Böses erwartet hatte, von ihrer eigenen Schwester, der Witwe Diego Mendez. Diese forderte entgegen den Bestimmungen ihres verstorbenen Gatten die Herausgabe ihres und ihrer Tochter Vermögen, und um ihrem Verlangen Nachdruck zu verleihen, denuncierle sie ihre Schwester Gracia beim venetianischen Senat als heimliche Jüdin, die außerdem noch die Absicht habe, mit dem gesamten Familienvermögen nach der Türkei zu fliehen. Sie bat die Signoria ihr zu ihrem Gelde zu ver-

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