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Menorah · 1931-11-01 · Heft 11-12 (November 1931) · p. Seite 501

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 11-12 (November 1931)
Article
Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
Date
1931-11-01
Page
Seite 501 (sequence 2)
Language
German
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DON JOSEPH NASSI, HERZOG VON NAXOS 501 von Dona Gracia die Summen in Empfang zu nehmen, gegen die der Papst die Einführung der Inquisition in Portugal hinauszuziehen versprach. Der junge Joseph Micquez-Nassi erzwang sich durch sein gewandtes und glänzendes Auftreten Einlaß zu den ersten Kreisen Antwerpens, in denen er viele und feste Fäden spann. Auch am Hofe der Statthalterin Marie, Schwester Carls V., war er ein gern gesehener Gast. Dank dieser guten Beziehungen entwickelte sich das Haus Mendez zu einer alles beherrschenden Bank, die mit besonderer Vorliebe Geschäft und Politik verknüpfte. In diesen Zeiten, in denen Frankreich in dem Sultan einen Alliierten sah, um der europäischen Hegemonie Carls V. zu begegnen, in denen französische und türkische Geschwader gemeinsam im Mittelmeer operierten, saßen in Südfrankreich, besonders in Lyon, eine Reihe unternehmungslustiger Bankiers, die die französischen Expeditionen finanzierten. Das Haus Mendez witterte gute Verdienstmöglichkeiten und gründete in Lyon eine Filiale, die Joseph Nassi unterstellt wurde. Der französische Hof kontrahierte bei dieser Niederlassung eine Schuld von 150.000 Dukaten, die Frankreichs Königen später manch unruhige Stunde bereitete. Der Aufenthalt in Flandern wurde Dona Gracia ebenso widerwärtig wie einst der in Portugal. Auch in Antwerpen mußte sie die katholische Kirche aufsuchen und die äußeren Gebräuche eines Glaubens mitmachen, der nicht der ihre war, die innere Ruhe, nach der sie sich sehnte, war ihr dort gleichfalls nicht beschieden. Nach zehnjährigem Aufenthalt in Flandern entschloß sich Gracia ihren Wohnsitz abermals zu wechseln, sich in einem Lande niederzulassen, in dem sie sich frei und offen zu der Religion ihrer Väter bekennen könne. Der Entschluß wurde von ihrem Schwager Diego gebilligt, der inzwischen Gracias jüngere Schwester geheiratet hatte und 1538 Vater einer Tochter geworden war, die der Tante zu Ehren Gracia genannt w'urde1). Doch Diego starb (ungefähr 1545^46) bevor der Auswanderungsplan in die Tat umgesetzt werden konnte. Testamentarisch bestimmte er, daß Gracia (die ältere) das Vermögen seiner Witwe und Tochter verwalten solle, eine undankbare Aufgabe, denn kaum hatte Diego die Augen geschlossen, da wollte Carl V. die Hinterlassenschaft beschlagnahmen, unter dem Vorwande, Diego habe als Ketzer gelebt und die Gegner der Inquisition begünstigt. Gracias Geschicklichkeit gelang es, das drohende Unglück abzuwenden, indem sie dem Herrscher eine Anleihe gewährte, die nach zwei Jahren zurückgezahlt werden sollte. Durch dieses unfreiwillige Darlehen wurde die Auswanderung ver-

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