Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Dr. Arthur Schnitzler
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 494 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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494 MENORAH seine Stellung zum Antisemitismus veröffentlichte, bewogen, in einer scharfen Erwiderung an den Herausgeber dieser Zeitschrift dieses Machwerk eines sensationslüsternen Journalisten entsprechend zu brandmarken. Dieses Streben zur unbedingten Gerechtigkeit ging so weit, daß Schnitzler oft gegen sich selbst ungerecht wurde, indem er nur um der höchsten Gerechtigkeit willen, Menschen, die gegen ihn unrecht gehandelt hatten, mit bewunderungswürdiger Seelengröße und oft auch Seelenstärke absolvierte. Dieses Vertrauen auf unbedingte Wahrhaftigkeit brachte es auch mit sich, daß sich Schnitzler in allem, was er nicht recht verstand, auf andere verließ. Er, der bei Verlegern und Theaterdirektoren als ,,geschäftstüchtig" verschrien war, da er auf dem sehr einfachen und sehr verständlichen Grundsatz bestand, daß das, war er geschaffen hatte, auch bezahlt werden müsse, war in finanziellen und wirtschaftlichen Dingen ahnungs- und hilflos. Daher überließ er die Verwaltung seiner Kapitalien oft Freunden und es ist bezeichnend, daß Schnitzler niemals übervorteilt wurde. Es war, als empfände es jedermann als Pflicht, Schnitzlers unbedingten Glauben an Wahrhaftigkeit zu bekräftigen. Schon diese Wesenzüge zeigen, daß Schnitzler Jude war, Jude von der besten Geistesverfassung und viel mehr als er es ahnte. Als das bereits erwähnte ,,Buch der Sprüche und Bedenken" und seine vorläufigen Bemerkungen zu einem Diagramm „Der Geist im Worte und der Geist in der Tat" in die Hand eines angesehenen Wiener Rabbiners kam, hob dieser in einem Gespräche mit Schnitzler hervor, wie sehr die metaphysischen Erkenntnisse, die Schnitzler intuitiv gefunden hatte, in ihrer Klarheit des Ausdruckes an die Weisheit des Maimonides heranreichen. Seiner Blutsverbundenheit war er sich stets bewußt. Mit dem Judentum als Tagesproblem konnte er aber nichts anfangen. Durch seine Liebe zur Natur war ihm das Land Österreich, die Stadt Wien zur Heimat im wahrsten Sinne des Wortes geworden; als deutscher Dichter schuf er seine Werke für das ganze deutsche Volk, dessen Geistesheroen, vor allem Goethe, auf seine künstlerische Entwicklung stärksten Einfluß ausgeübt hatten. In persönlichen Gesprächen über das moderne Judentum wies er immer wieder darauf hin, daß er die Idee Theodor Herzls, dem er persönlich nahestand, nie bestritten hatte und nie bestreiten konnte. Aber immer wieder betonte Schnitzler, daß ihm diese Idee fernstehe. Abgesehen davon, daß er stets eine Scheu davor hatte, auf eine politische Arena zu treten, mochte sie nun deutschnational oder jüdisch-