Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 486 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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486 MENORAH dort gab's Wasser, den Dnjepr! O wie wohl täte mir so ein Stückchen Erde, eine Wiese am Wasser wie in Krementschug! Für die Nähmaschine habe ich keine Kraft. Aber Erde — die Arbeit ist leicht und man wird gesund dabei, — so sagen alle. Wenn man kuhwarme Milch trinkt, wird das Herz gekräftigt. Vielleicht nimmt sich doch irgend eine Society einer armen jüdischen Frau an, die Herz und Füße an der Maschine ruiniert hat, und siedelt sie auf dem Lande an?! Wenn die Leute sagen, daß es so eine Gesellschaft gibt, so muß doch etwas daran sein! ... Und so wahr ich lebe, ich habe Anspuch darauf, ich hab* es mir redlich verdient! Zwölf Jahre war ich Knecht des Pharao, der Maschine — da gebührt mir wahrhaftig im dreizehnten Jahr ein Fleckchen grüner Rasen, wo ich mein krankes Herz auskurieren kannl Erkundigen Sie sich nach der Society, Herr, Sie tun ein gutes Werk!" Ich versprach der Frau, mich nach der Society, die jedermann einen Flecken grünen Rasen zuweist, zu erkundigen und ihr das Ergebnis meiner Nachforschungen sofort mitzuteilen. Nach vielem Umfragen erfuhr ich endlich, daß es tatsächlich eine Society gibt, die jedem einen Flecken grünen Rasen zur Verfügung stellt, wo er sich von der schweren Arbeit ausruhen kann, jedoch — nicht bei Lebzeiten, erst nach dem Tode steht für jedermann ein Flecken grüner Rasen bereit... Soll ich das der Frau mitteilen? JOLvn nächsten Tag hatte ich Glück. Ich besuchte das Sommerheim der Weißnäherinnen-Gewerkschaft in Pennhill. Es liegt auf einem hohen Gipfel und im Emporsteigen öffnet sich eine herrliche Berglandschaft. Der Ausblick von oben ist beglückend schön. Am Fuße des Berges liegt in einem tiefen Tal der Ort Pennhill mit seinen winzigen Häuschen, den kleinen grünen Feldern und dem schmalen Flüßchen. Das alles sieht aus, als käme es aus einer Spielzeugschachtel. Den gegenüberliegenden Bergabhang klimmen Häuschen empor, höher und höher; immer wieder bleiben sie stehen, sinken in ein Meer von Grün ein. Bäume und dichtes Gras umbranden die Gebäude, so daß die roten Dächer und blaugetünchten Mauern kaum hervorsehen können. Bings um den Talkessel aber erheben sich die Berge, einer über den anderen, als bemühte sich jeder, höher zu steigen als sein Nachbar. Ein bläulicher, von Sonne durchfluteter Nebel umhüllt die Berge und wallt von Baum zu Baum. Vor mir hängt ein bläulicher Schleier, da und dort von II. Vtfenn die J^iadel schweigt