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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 474

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
Mythologie und Sage in der Bibel
Date
1931-09-01
Page
Seite 474 (sequence 2)
Language
German
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474 MEN ORAH den sind. Der Labbu der babylonischen Mythologie ist nicht weniger als 50 Meilen lang mit einem Kopfe, der eine ganze Meile mißt (A. Jeremias: „Das alte Testament im Lichte des alten Orients", 1906). Die Bibel erzählt uns wohl nichts von den Dimensionen des Liwjathan, weil er für sie kein Objekt eines näheren Interesses ist; im Talimi'äVbaMi aber, -wo der Liwjathan einen bedeutenden Platz im Speisezettel des Gastmahls einnimmt, das Gott in der zukünftigen Welt den Frommen bereiten Avird, treten die ungeheuren Dimensionen dieses Ungetüms ganz deutlich an den Tag (Bababathra, Seite 74-b und 75-a), wenn auch der Talmud mit keinem einzigen Worte von einem Kampfe Gottes mit diesem Meeresungelüm berichtet, was auch ganz natürlich ist. Wie der Railab, so liegt auch der Liwjathan ganz fern dem wirklichen Geiste des monotheistischen Judentums; der echte biblische Geist fehlt ihnen ganz und gar, und deshalb haben sie auch keinen weitern Einfluß auf die geistigen Schöpfungen des jüdischen Volkes ausgeübt; mit Ausnahme der angeführten Stellen in der Bibel, wo sie als Reminiszenzen der grauen Urzeit auftreten, werden sie nirgend mehr in der Bibel angeführt und sie sind aus dem Gedächtnis des Volkes ganz und gar verschwunden, ohne Veranlassung zur Bildung von zusammenhängenden mythologischen Erzählungen zu geben. Wenn uns aber die Bibel keine Mythologie aufbewahrt hat, so hat sie uns dafür eine Reihe von ausgezeichneten und schönen Sagen geschenkt, deren kennzeichnender Zug darin besteht, daß sie sich in einem ununterbrochenen historischen Zusammenhange befinden und unmittelbar zur Geschichte des jüdischen Volkes führen. Mehrere Thorah-Sagen zeigen deutliche Ähnlichkeiten mit denen der entsprechenden babylonischen auf. Diese Tatsache hat die Aufmerksamkeit gewisser Assyrologen erregt, und sie betonen ganz nachdrücklich, daß die Thorah die eine und andere Sage den babylonischen Originalen entnommen habe, wodurch auch die in den Thorah-Sagen vorkommenden Widersprüche zu erklären seien. Es wird auch die Meinung ausgedrückt, d&ß die verschiedenen Redakteure der Thorah ganz verschiedene Auffassungen vom Werte der babylonischen Sagen hatten, und da die anerkannten endgültigen Redakteure, Esra und seine Schule, nicht wußten, an welche Rodaktionsquelle sie sich halten sollen, so haben sie an den älteren Formen der Sagen nichts ändern wollen und sie so behalten, wie si<e uns vorliegen. Daß dem Esra und seiner Schule ältere Quellen vorgelegen haben, können wir aus der Bibel selbst ersehen. So zum Beispiel erzählt uns die Bibel von einem Ssefer Tholdolh Adam (Bereschith, Kap. 5, Vers 1), einem Ssefer Hajaschar (Jehoschna, Kap. 10, Vers 13), einein Ssefer Milch amoth Jehowah (Bamidbar, Kap. 21, Vers 14), einem Ssefer Habrith (Melaehim II, Kap. 23, Vers 2); ob die eine Sage in dem einem und die andere in dem andern dieser Bücher vorgelegen habe, ist eine Frage, die heute nicht mehr beantwortet werden, kann, weil uns die betreffenden Bücher verlorengegangen sind. Wie es sich damit aber auch verhalten mng, so haben wohl die Assyrologen wie die Bibelkritik einige wichtige Momente übersehen, und zwar: Esra war eine dier bedeutendsten Persönlichkeiten des Judentums, von dem der Talmud sagt, daß er würdig war, daß die Thorah durch ihn gegeben werden soll, wenn Möschen ihm nicht vorangegangen wäre (Talimid-babli, Traktat Ssanhedrin, Seile 21-b): seine Autorität im Judentum« war so groß gewesen, idaß er es habe wagen können, die althebräische Schrift durch eine neue, die sogenannte „Kethab-aschuri", zu ersetzen (ebendorl). Aus seinem Buche wrie auch aus dem Buch seines Zeilgenossen, Nechemjah, ist uns bekannt, daß er alles aufs Spiel setzte, um die jüdische Gesellschaft in Erez-Israel von fremden Einflüssen zu säubern und vor solchen zu schützen. Das Säubern scheint überhaupt seine stärkere Seite gewesen zu sein; und doch hat dieser eifrige Kämpfer für die Rein-

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