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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 475

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
Mythologie und Sage in der Bibel
Date
1931-09-01
Page
Seite 475 (sequence 3)
Language
German
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MYTHOLOGIE UND SAGE IN DER BIBEL 475 hcit seines Volkes und seiner Thorah, dieser scharfsinnige Redakteur und Reformator es nicht gewagt, die in den biblischen Sagen vorkommenden Widersprüche und Zweideutigkeiten zu korrigieren oder ganz einfach auszuschalten und auf diesem Wege der fremden (babylonischen) Ballasle los zu werden. Esra kam ja aus Babyloruien und wir können uns leicht denken, daß er die babylonische Kultur näher kannte als ein beliebiger Assyrologe unserer Zeit; wie kommt es denn, daß er es nicht wagte, das „Fremdartige" anzugreifen, wie er es mit der mythologischen Entlehnung gemacht hatte? Eine Antwort auf diese Frage müssen wir auf einem andern Gebiete suchen, nämlich auf dem der Völkerkunde und der Völkerpsychologie. Diese Wissenschaften haben feslgestellt, daß Sagen und Traditionen eines VoLkes, die es selbst geschaffen hat, ihm slets ein heiliges Erbe bleiben, das es auch auf der höchsten Stufe seiner Kultur nicht aulgeben will. Das betreffende Volk hängt mit größter Zähigkeit und Liebe an diesen seinen Sagen und Traditionen, iinid es kümmert sich blutwenig darum, daß sie Widersprüche und Zweideutigkeiten enthalten. Solche Sagen und Traditionen trotzen gewöhnlich allen refornialorischen Angriffen, und kein weitsichtiger Reformator würde es wagen, sich am völkischen Reichtum zu yergreifen und am Baume der ältesten Tradition zu rütteln, wenn er nicht die Gefahr laufen will, die Früchte seiner refornmlorischen Arbeit schon im voraus z;i vernichten. Diesen, wichtigen Umstand, die tiefe Liebe des Volkes zu seinen althergebrachten eigenen Schöpfungen, hatten Esra und seine Schule vor ihren Augen, als sie zur Ausführung ihres großen Werkes gingen. Die mythologischen Sagen, die ans fremder Quelle schöpften, haben sie mit ruhigem Gewissen ausgemerzt und das Volk hat diese ihre Handlung auch ruhig verschmerzt; die kosmogonischen und geschichtlichen Sagen aber, die das Volk selbst im Verlaufe der Zeiten gedichtet und in verschiedenen Variationen ausgeformt hat, ließen sie unbehelligt bestehen, weil sie dabei mit authentischvölkischen, aus eigener Quelle sprudelnden Schöpfungen zu iun hatten. Durch diese Handlungsweise haben Esra und seine Schule a.m besten die Ursprünglichkeit und Selbständigkeit des jüdischen kulturellen Schaffens bestätigt und aufbewahrt, und damit haben sie nicht nur einen tieferen historischen Sinn, sondern auch eine feine Kenntnis der nationalen Psychologie an den Tag gelegt — ein Charakterzug, der allen großen Führern des jüdischen Volkes eigen ist. Esra und seine Schule hatten wohl mit verschiedenen Quellen zu tun, diese Quellen aber waren keine fremden, sondern eigene Schöpfungen des jüdischen Geistes und ein untrennbarer Teil der selbständigen jüdischen Kultur. IN DAS LAND DER PHARAONEN MIT DEM NEUEN LUXUSEXPRESS Ägypten, das romantische Land mit seinem milden Klima, war immer das Ziel der Reisenden aus aller Well, wozu auch der Umstand beiträgt, daß auch die unerschöpflichen archäologischen Schätze des Landes immer mehr erschlossen werden. Um den Anforderungen des modernen Reisepublikums voll und ganz entsprechen zu können, hat der „Lloyd Trieslino" vor wenigen Monaten für die Luxuscxpreßliinie Europa—Ägypten, via Adria, das Motorschiff „Viktoria" in den Dienst gestellt. Die Fahrtdauer zwischen dein Adriatischen Meere und dem Nil-Delta wurde auf ungefähr 39 Stunden, von den Abfahiishäfen Triest, Venedig oder Alexandrien, zu den Endhäfen Alexandrien oder Tri est auf weniger als drei Tage reduziert. Eine Neuheit, die auch den Touristen eine Reise nach Ägypten zu unternehmen ermüglichl, ist die dritte Klasse. Große luftige, zwei-, vier- und sechsbetlige Kabinen mit allen Bequemlichkeiten eingerichtet, ein schöner heller Speisesaal stehen den Passagieren zur Verfügung.

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