Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Dostojewski und die Judenfrage
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 467 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912914-2927279--10715-2927459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DOSTOJEWSKI UND DIE JUDEN FRAGE 4G7 gegen die eigene Person Serielllel. und Ivomml so als Masochismus und Schuldgefühl zum Ausdruck. Ein Resl sadistischer Züge äußert sich in seiner Reizbarkeit und Quülsuchl geliebten Personen gegenüber und in der Arl. wie er als Aulor seine Leser behandelt: m. a. W. ..in kleinen Dingen Sadist nach alitten, in größeren Sadist nneh innen, also Musoehisl. das heißt der weichste, guImii Iigste. hilfsbereiteste Mensch". Dazu kommen aber noch eine Reihe weilerer rberlegungcn, die hier wiederzugeben viel zu weil führen würde, e.nd so InutoI Freuds ..Formel*' für Dostojewski: ..ein besonders stark bisexuell Veranlagter, der sich mit besonderer Intensität g>'gen die Abhängigkeit von einem besonders h;»rleu Vater wehren kann". In folgerichtiger Ausdeutung 'dieser Annahme werden die Anfülle Dostojewskis als Selbstbesinnungen für besonders starke unbewußte Aggressionen gegen den Vater und zugleich als Identifizierungen mil dem loten Vater angesehen. Eine Bestätigung dieser Auffassung vom Sinne der Doslo jewskischen Krankheil gibt uns zum ersten die Talsache, daß Dostojewski in Sibirien, also zur Zeil MMner äutteren und bewußten Bestrafung, frei -von Anfällen war. ferner aber eine eigene Äußerung des Dichters, wonach er sein-c Reizbarkeit und Depression nach einem epileptischen Anfall damit begründet, daß er sich als Verbrecher erseheine und das (iefühl nicht los werden könne, eine ihm unbekannte Schuld auf sich geladen, eine große Misseini verübt zu haben, die ihn bedrücke (Fiilöp-Miller. ..Dostojewskis Heilige Krankheil'', ..Wissen und Leben". 1924. S. 1188). Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß sieh Dostojewski in den ..KaramasoiT" ganz offensichtlich mil dem Vatermörder identifiziert, dem er seine eigene Krankheit, die vermeintliche Epilepsie, angehängt hat. Wer .sich eingehender mit der Frciidschen Psychoanalyse befaßt hat. der versieht aus diesen Angaben bereits, daß es sich liier um eine Art Neurose handelt, die vorwiegend um eine Verdichtung des Über-lchs (Valercinflutö) gelagert ist. Der Druck, mit dem das eigene Gewissen auf dem handelnden und erkennenden Ich lastet, ist zu slark, um den Handlungen und Erkcnntn issen eine volle objektive Bewegungsfreiheit y.w lassen. Derartige Naluicii neigen in der Tal zur Bildung von Angsl. die sich hier nicht als eine Fmkchr verdrängter Sexualtriebe (das wäre Libido-AngsÜ darstellt, sondern als unter den Einflüssen der väterlichen Autorität entstandene (i e w i ss e n s a n g s l. (Sie gehl also vom Über-Ich aus, nicht vom Ks.) Geradeso, wie bei einigen paranoiden K rankheitsbilderji sieh diese ./innere Stimme" des Gewissens nach außen ,,projiziert", so kann auch ebenso gul eine andere form der Projektion der Fber-fch-lnsianz in Erscheinung treten. Das Über-Ich. ursprünglich von der Valerinslanz der Außenwelt ins eigene Seelenleben übernommen, kann jeder zeit wieder seine psychische Bedeutung für den Mensehen leihveise wenigstens an andere autoritative Instanzen zurückstrahlen. Gewöhnlich sind das der Staat und seine Vertreter (Fürsten, Polizei- und Gerichtsorgane) oder ein personifizierter strafender Gott. Warum sollte aber nicht diese Angst auch jener geheimnisvollen Instanz gegenüber wirksam sein, die die angebliehe jüdische Weltherrschaft verkörpert? 0 b j e k t i v gesehen haben ja die Richter und Fürsten, Staatsanwälte und Polizeidiener ebensowenig eine drohende AHmachlsslellung wie die imaginäre Weltherrschaft der Juden. Nur in der Psyche1 des Neurolikers werden alle diese Valerrcpräsenlanten zu wirksamen Faktoren des Außengeschehens, und sie si n d es auch, insofern sie von je als gedachte, aber deshalb nicht weniger reale Blitzableiter für die triebhaft bedingten Handlungen dieser neurotischen Welt gedient haben. Ks ist also, in licfenpsychologischcr Beleuchtung gesehen, diese mysteriöse A n g s! D o s t o j e w s k i s v o r d e m ,J i e f e r e n G e h e. i m n i s" e i n e r ,,j ü d i s c Ii e n W id Iii ii r r s c h a f f n i e h I s a n d eres als d e r A u s f 1 u ß e i n e r n c u r o l is c h e n Ge w i s s e n s a n g s l, eines d e r viel e n S y m p l o in e sei n e r äff e kt i v e n E ]) i 1 e p s i e. Diese unsere Deutung lügt sich auch noch