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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 468

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
Dostojewski und die Judenfrage
Date
1931-09-01
Page
Seite 468 (sequence 5)
Language
German
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468 MEN 0 RAH in Linderer Hinsicht in den Rahmen der Ureudschen Untersuchung ein. Bekanntlich ist der Antisemitismus, ganz gleich welche rationale Ursache ihm untergelegt "wird, als Sentim,ent gewöhnlich hei den politisch und kulturell R e a k t i o n ü r e n zu finden. Ein Blick auf die vorerwähnten Argumente in Dostojewskis Antwort an Kowncr wird diese allgemeine Erfahrung für unseren Fall nur bestätigen. Dostojewski war in der Tat ein ausgesprochener politischer Reaktionär. Und eben diese spätere reaktionäre Einstellung isL hei Dostojewskis sonstiger Humanität so auffällig, daß Freud sich eigens nach einer Erklärung für diese scheinbare Inkongruenz im Dostojewskischeii Churakterbikle umsieht. Er lindet sie ebenfalls im Gesamtbilde der Neurose und formuliert Iretleiiid: „Wenn er es im ganzen nicht zur Freiheit brachte und Reaktionär wurde, so kam es daher, daß die all - geniein menschliche Sohnesscliuld, auf der sich das religiöse Gefühl aufbaut, bei ihm eine überindividuelle Stärke erreicht halte und selbst seiner großen Intelligenz unüberwindlich blieb." Freud führt also diese schwache Seile im Bilde des Menschen Dostojewski, wie er es kurz danach direkt ausspricht, auf eine n e u r o t i s c h e ,,D e n k h e m m u n gk< zurück. Diese kurzen, nohveiMligerweise skizzenhaften Bemerkungen über menschliche und psychologische Schwächen eines großen und einzigartigen Genies vermögen natürlich in keiner Weise eine noue, etwa mindere Wertung seines Schaffens zu setzen. Auch Dostojewski konnte, wie so viele andere Genies „zwei Seelen in seiner Brust" vereinigen: Eine große, gütige und ganz lief empfindende Nächstenliebe und gleichermaßen eine ohnmächtige Abhängigkeit von den unsichtbaren Machten seiner seelischen Erkrankung. Ja es besieht zwischen dem schafTenden Genie, das seine ungewöhnlichen Gaben mit besonders intensiver Konzentration verarbeitet, und dem Neuroliker wahrscheinlich sogar ein gewisser Zusammenhang. Nach der Meinung von Ernesl J o n e s (..Das Problem Paul Murphy") hängt nämlich die besagte Fähigkeit des Genies von der anderen Befähigung ah, ,,unbewußte Schuldgefühle völlig in Schranken zu halten", wodurch freilich eben jene bekannte Empfindlichkeit des Genies entsteht, ihrer Sublimierungeii so leicht auch wieder verlustig zu gehen. Aufgabe der Wissenschaft ist es. in den Werken der Genies die beiden Seilen voneinander zu sondern, ähnlich wie dies etwa Ludwig Klages an Nietzsche versucht hat. Mehr als eine Anregung zu derartiger Arbeil an Dostojewski konnte dieses Essai nicht geben. Eine vertiefte Ausgestaltung müssen wir gründlicheren Kennern des Dichters und vor allem seinen quellenkundigen Biographen überlassen. EIN ZEIf GENOSSE ALEXANDER DI S GROSSEN ÜBER DIE JUDEN Schoii für die allen Griechen waren die Juden, ihre Sitten und ihre Religion ein Problem, das Dichter. Philosophen und Geschichtsschreiber öfters beschäftigte. Von dieser Literatur ist aber so gut wie nichts übrig geblieben. Um so wertvoller ist ein Auszug aus dem Buch des Hekaläus aus Abdera, eines Mitschülers des großen A I e xa n d e r bei A r i s t o t e 1 e s, ..Über die Juden", den uns Joseph us in seiner bekannten Verteidigungsschrift für die Juden gegen den alexandrinischen Gelehrten und Judenfeind Apion erhalten hat. Zwar hat man dies Zeugnis für das jüdische Volk als Fälschung des Joseph u s hingestellt, weil es manche offenbare Irrtümer enthält. Doch kann dieser Grund nicht als stichhaltig augesehen werden. Wäre er es, so müßte man die bekannte Schilderung des Ursprungs und der Bräuche der Juden im 5. Buch der Geschichten des T a c i l u s auch als gefälscht ansehen. Denn hier wimmelt es von Unrichtigkeiten und schielen Auffassungen. Aber die Ethnographien aller klassischen Autoren sind nicht ganz zuverlässig, da sie nicht immer

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