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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 466

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
Dostojewski und die Judenfrage
Date
1931-09-01
Page
Seite 466 (sequence 3)
Language
German
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466 MENORAH Marslall seiner Argumente aufgenommen lü»l. Woher kommt diese merkwürdige Angst eines hochinfelligenten Sehiiflslellers, der doch andererseits in seinem Verhalten zur AuUenwclL nach dem Zeugnis der Biographen zwar weich und gutmütig, aber sonst eher quülerisch als ängstlich genannt werden kann? Haben nicht am Ende diese beiden Züge, die Angst vor dem mystischen, Feind und die Quälsucht in Kleinigkeiten, ein und dieselbe lrsuche? Diese Frage 116ügt uns, dem psychologischen Problem im Menschen Dostojewski ein paar Worte liefenpsychologischer Betrachtung zu widmen. Ks lassen sich im Leben Dostojewskis eine ganze Reihe von Anzeichen zusammenstellen, aus denen mau schon auf eine nicht gesunde psychologische Reaktionsfähigkeit schließen könnte. Der Vater des Dichters, übrigens ein ausgesprochener Geizhals, wurde Säufer, und seine Roheit und Grausam keil seinen Leibeigenen gegenüber wurde ihm zum Verhängnis: Man fand ihn eines Tages vom Kutscher erstickt in den Kissen seines Wagens Sämtliche vier Kinder dieses Vaters zeigen Merkmale deutlicher Belastung: Der älteste Sohn Michail und der jüngste Nicolai erbten die Trunksucht, die Tochter Warwara den krankhaften Geiz (auch sie wurde von Vagabunden ermordet), und Fjodor Dostojewski galt als Epileptiker. Für den Psychologen verdächtig sind vielleicht auch seine peinliche Reinlichkeit und seine üheiiriebene Ordnungsliebe. Symptome, die sich häufig hei neurotischen Charakteren linden. Seine Handschrift ist von der eines Irren kaum zu imlerscheiden: er halte nnler andenem die Gewohnheit, auf allen seinen unregelmäßigen Manuskripten gotische Fenster zu zeichnen, die ihm beim Nachdenken ganz mechanisch ans der Feder Rossen. Doch diese Daten sind zur Erklärung unseres Angslsymptom.s noch etwas zu allgemein. Viel wichtiger ist vielmehr die Erwähnung einer bescheidenen Tatsache, die gerade vom. Laien vielleicht als z:u allgemein und gewöhnlieh angesehen werden würde, und die trotzdem für unser Problem von ganz erheblichem Werl ist: Dostojewskis Vater wird in den Biographien als ..sireng" angegeben, wenn auch nicht direkt geprügelt wurde. Nun. pHegen Söhne sirenger Väler zur Neurosenbildung zu neigen, die natürlich an eine gewisse konstitutionelle Disposition gebunden ist. Vielleicht, so könnte man daher vermuten. Iii 1.11 sich für jene mystische Angst vor dem ..lieferen Geheimnis" einer ..jüdischen Weltherrschaft" eine Erklärung im N c u r o t i k e r 1) o s l o j e sc s k i suchen und linden. Der Weg zur Lösung dieses Problems ist uns in überaus feinsinniger Weist' bereits von niemand anders als Sigmund F rc u d geebnet worden. Vor etwa zwei Jahren erschien im Vorlagt; Piper u. Co. in München unter anderem Material über Dostojewski ein Band ..Die Frgestalt der Brüder KaramasolV". der von Rene Fülöp-Miller muri Friedrich Eckstein herausgegeben wurde. Diesem Material ist die besagte Abhandlung von Freud, unter dem Tilel ..l) o s l o j e w s k i 11 n d d i o V a l e r- I ("> I u n g" vorangestellt. Anknüpfend gerade an die Strenge des Vaters, kommt Freud unter Benutzung der wenigen brauchbaren biographischen Quellen zu dem Resultat, an der Echtheit der sogenannten Epilepsie Dostojewskis zu zweifeln. In der Gruppe der epileptischen Erkrankungen lassen sich sehr wohl eine organische (von äuüerer Störung bedingte; und eine ..utl'eklive" (von innerer Störung bedingte! Epilepsie unterscheidet!. Der organische Epileptiker ist ein Gehimkranker, der affektive Epileptiker ist ein Neurotiker. Die biographisrhen Dalen und mehrer«' Momente aus Desto jewskis Symptomen nötigen uns zu der Annahme. Dostojewskis Krankheil sei eine a f f e k l i v e E p i l e p s i e. seine Anfalle hysterische Symptome gewesen. Die Strenge des Vaters und das Trauma des ermordeten Vaters, in dem der Angelpunkt von Dostojewskis Neurose zu erblicken ist, führen Freud zu folgender Auffassung des Dostojewskisehen Triebeharaklers. wie er sich auch in der SlolTwahl seiner Werke zeigt: Ein sehr starker Deslruktionstrieb, der leichl hälfe zum Verbrechen führen können, isl hauptsächlich

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