Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Die wirtschaftliche Krise des deutschen Juden [sic!]
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 449 (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WIRTSCHAFTLICHE KRISE 449 Marcus ist also aul dem richtigen Wege, wenn er die E r z i e h u 11 g d e s c! e u t s c h e n J n d e n z u m Iv o 1 l e k t i v i s m u s verlangt, wenn er seine innere Umstellung fordert. Zur ihr gehört neben dem Bekenntnis zum kollektivistischen Geist, vor allem auch die Erziehung zur Unterordnung, die bisher gefehlt hat. „Soll der deutsche Jude soweit in den Entwicklungsprozeß der deutschen Wirtschaft eingegliedert werden, dal.) sein wirtschaftliches Schicksal nicht, wie bisher, im Durchschnitt ein besseres als das des deutschen Durchschnitts sein soll, aber auch nicht, wie jetzt befürchtet, werden muß, ein schlechteres, so muß die Erziehung des jüdischen Nachwuchses die Enlwickhmgslinien, denen die deutsche (iesamlwirlschaft folgt, bejahen, sie darf sie nicht, wie bisher, verneinen/" Hierzu gehört auch das Festhalten an Position, die die .luden noch innehaben, ebenso wie die stärkere Beschäftigung mit mehr mechanischen und bürokratischen Arbeiten, weil die Juden sich nicht mehr den Luxus erlauben können, sich von den mechanisierten Tätigkeiten zurückzuziehen. Marcus meint mit Recht, die .luden hätten besonders in den Jahren, in denen es ihnen so gut gegangen sei. wie vor dem Kriege, viel zu wenig intensiv gearbeitet und hätten nur an das Sich-Auslcben gedacht. Die jüdische Jugend sei in jenen Jahren viel zu sehr verwöhnt worden. Jetzt ist sie schreckhaft erwacht, denn nun muß sie sich völlig umstellen und hat sich auch schon umgestellt. Marcus verlangt deshalb b e w u ß t e P r o 1 e t a r i s i e r u n g. Er brauchte sie nicht erst zu fordern, denn sie ist da; aber die deutschen Juden müssen auch den Mut haben, sich zu ihr zu bekennen. Dazu gehört auch die Einsicht, neue Berufe zu ergreifen und von vorn auf der sozialen Stufenleiter anzufangen. Sehr treffend erklärt Marcus, man solle zum Handwerk nicht verächtlich herab-, sondern bewundernd aufblicken. Ich glaube nicht wie Marcus, daß der Jude weniger arbeitet als sein christlicher Mitbürger. Er stellt vielleicht größere Ansprüche an das Leben, und ich bin der Meinung, daß er sie auf kulturellem Gebiete behalten soll. Nur dann kann er. was auch Marcus fordert, sich selbst zu einem Q u a 1 i l ä i s a r heil e r erziehen. ..Nicht darauf kommt es im Prinzip an. daß der deutsche Jude sich Berufe sucht, denen er bisher lern gestanden hat. sondern darauf, daß er auch sein Wirtschaftsdenken völlig umgestalte! und sich darüber klar ist, daß überall da, wo er zu arbeilen beginnt, oder bereits arbeitet, oberstes Prinzip eine Steigerung der Leistung und eine Herabmindernng der Eiiragserwartungen und -ansprüche sein muß/" Man wird Marcus auch Hecht geben müssen, daß diese neue Ein-