Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Die wirtschaftliche Krise des deutschen Juden [sic!]
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 448 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912914-2927272--10685-2927440- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
448 MENORAH Bevölkerung. Ihr Einfluß gehl zurück. ..Wir müssen uns darüber klar sein, daß man gegenwärtig den Juden in der deutschen Wirtschalt nicht will." Man legt auf seine Pionierlätigkeit nicht mein* den gleichen Wert wie früher, aber er kann sie auch nicht in demselben Umfange wie einst ausüben, da sich die Zeiten gewandelt haben. In meinem .Buch „Juden in der deutschen Wirtschaft" (Berlin 1930) habe ich versucht, die heutige Situation der deutschen Juden zu charakterisieren, indem ich erklärte: Neben diesem freiwilligen Fernhallen erfolgt eine bewußte Auschließung der Juden." So ist auch Marcus der Meinung, daß die deutschen Juden nicht u n s c h u l d i g a n i h r e m e i g e n e n G e s c h i c k seien. Schärfer und unerbittlicher als andere Autoren geht er mit ihnen zu Gericht. Auch Marcus ist der Überzeugung, daß die individuelle Tätigkeit in der Wirtschaft an Bedeutung verloren habe. Damit sei die Zeit für die Führereigenschaft der .luden auf vielen Gebieten vorbei. Sie hängen, so meint er, an überlebten liberalen Gedankengängen in einer Zeil des Kollektivismus. Dadurch seien sie ein Jleischgewordener A n a c h r oni s m u s. Gerade sie, die deutscher gedacht hätten als die Deutschen, die seihst die Idee des Kollektivismus in die Welt getragen haben. Man könnte dieser Auffassung von Marcus vieles entgegenhallen, so sehr man um der Wirkung willen seine Übertreibungen begrüßen muß. Ist denn der Deutsche als Wirtschaflssubjekl wirklich so kollektivistisch gesinnt? Gewiß, er hat mustergültige Wirtschaftsorganisationen geschalten, hat die Gewerkschaften mit echt preußischem Drill aufgebaut. Aber gilt nicht gerade heute der kapitalistische Unternehmer vielen als das Idealbild? Ist es nicht eine Ironie der geschichtlichen Entwicklung, daß der so oft verlernte reine Kapitalist von allen Wirtschaftsverbänden immer wieder gefordert wird? Vor allem aber - - und das scheint Marcus zu übersehen - d i e J u d e n s l e Ii e n h e u 1 e in a 1 i e n L a ge r n d e r W i r l s c h a f t. Sie sind genau so Kartellmagnaten wie Schöpfer von Biesenorganisationen (D.D.Bank), sogar auf ihrem eigensten Gebiet des Handels (Warenhauskouzerne). wie die Milanreger der kalten Sozialisierung. (Heichskonzerne.) Wenn man also auch Marcus nicht in allen seinen Forderungen beipflichten wird, muß man den Mut und die Olfenheit anerkennen, mit denen er die Xukunflsproblenic behandelt. Wer an die Zukunft des deutschen Juden tnnis glaubt, wird durch die Lektüre dieses Buches aufgerüttelt werden. Es mußte einmal geschrieben werden, um auch all denen, die nicht sehen wollen, oder noch nicht den Überblick über die heutige Situation gewonnen haben, die Augen /u öil'nen.