Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Die wirtschaftliche Krise des deutschen Juden [sic!]
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 450 (sequence 12)
- Language
- German
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450 MENORAH Stellung, die man von dem Juden verlangt, die G e 1" a Ii r d e r A s s i m i- 1 i e r u 11 g verschärl't. An Wunder — auch darin kann man ihm zustimmen — darf man nicht glauben, aber an den Willen, den W i 11 e n z u r E r halt u n g d e s J u d e n t u m s. Wie schon betont wurde, muß die Pflege des jüdischen Kulturgutes und der jüdischen Fähigkeiten das jüdische Element bewahren, auch wenn die wirtschaftliche Angieichung schon zu 100% vollzogen ist. Das will der Synlhetiker. dem daran liegt, das Judentum mit dem Deutschtum zu verbinden, weil er in der Mischung beider den Boden für die höchsten Kulturschöpl'un gen erblickt. Juden sind, wie es gerade Marcus so schart' betont, die Theoretiker des Kollektivismus gewesen. Wall her Rathenau hat in neuester Zeit praktische Wege für die neue Wirtschaft gewiesen. Jüdische Männer wollten Wegweiser in ein neues Zeitalter sein. Vor der jüdischen Jugend türmen sich also Probleme von größter Bedeutung auf. Wer den Glauben an das Judentum nicht verloren hat und an den Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft glaubt, muß bereit sein, an der Lösung dieser Fragen mitzuarbeiten. Wenn sich ein Slowak übers Wasser verdingt... Wenn sich ein Slowak übers Wasser verdingt und der Post bot ihm endlich die Schifjskarten bringt, so verkauft er die Wiese, das Feld und das Haus, seine Schafe und Gänse, und rüstet sich aus für die Fahrt übers riesige Wasser. Und viel Brot läßt er backen und salzt rasch noch ein, was an Fleisch bleibt, und näht es in Sackleinen ein: denn so hält es sich gut, und es wartet kein Scheit auf dem Zwischendeck sein, und man sagt, lange Zeit braucht die Fahrt übers riesige Wasser. Und er zieht in die Kreisstadt samt Kindern und Weib, und er steht sich die Beine vorm Amt in den Leib, bis er all die Papiere und Stern[>cl erreicht; denn es schickt sich, daß man sie nicht etwa zu leicht macht, die Fahrt übers riesige Wasser. Und er singt mit den Seinen im engen Waggon alte Weisen der Schafschur, von flammendem Mohn; und er singt auf dem Deck sie beim Gehn und im Stehn, so, als müßten sie noch vor der Ankunft vergehn auf der Fahrt übers riesige Wasser. Theodor Kr am er