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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 432

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
Der Taschenspiegel
Date
1931-09-01
Page
Seite 432 (sequence 2)
Language
German
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432 MENORAH Herzen bei dem Gedanken, daß Reb Moische, wenn ihr Gott einen Sohn geschenkt hätte, sein Lehrer in der Theologie gewesen wäre, statt jetzt bloß zwei Vogelgehirnen hebräisch einzupauken. Und so wurde die absolute Unwissenheit ihrer ältesten Tochter für Gintel zuletzt beinahe zur Quelle einer verzweifelten Genugtuung. Rahcl sali ihrem Vater gespannt zu, wie er das Pferd anschirrte, um auf den Markt nach Kowno zu fahren. Gintel kam aus dem Haus und befahl ihr zornig, sofort hineinzugehen. ,,Rahel darf mit Dir nicht mehr nach Kowno fahren", herrschte sie ihren Mann an. ..Warum nicht?" ..Weil ich nicht mag. Und jetzt verschall' ihr bald einen Mann. Was tut sich mit dem Bocher, von dem Du mir vorige Woche erzähll hast?" ..Ich treffe ihn heute." ,,Dann bring ihn mit." Der Vater war bereits weggefahren. Rahel lief, um Trost zu linden, auf den Dachboden und besah sich in dem kleinen Spiegel. Ihr Herz schlug schneller, ihre roten Lippen verzogen sich zu einem Schmollen, und so lief sie rasch hinab zu ihrer Mutter, die über dem Pentateuch brütete, während die beiden Schwestern bei der Arbeit waren. „Mutter", Raheis Stimme klang ziemlich energisch, ..wie alt bin ich?" Gintel starrte ihr voll Erstaunen über diese sonderbare Frage ins Gesicht. „Was ist das für eine dumme Frage? Wozu brauchst Du das zu wissen? Ich habe mich um mein Alter nie gekümmert. Jetzt pack Dich und hilf Myrra beim Buttern." Etwas spater kam Gintel zu den Töchtern, um sie daran zu erinnern, ihr Mitgiftsgeld" zu Manzin zu bringen. Jeden Dienstag eilten nämlich ganze Scharen von Mädchen jeglichen Alters, das Einlagebuch in der Hand, zu dem kleinen Provinzbatikier, dem angesehenen Faktor Manzin, um ihre paar Kopeken bei ihm einzulegen. Selbst sieben- und achtjährige Kinder liefen schon zu Manzin, um ihm ihre zukünftige Mitgift anzuvertrauen. Und — Gott sei's geklagt! —- man sah unter ihnen sogar Zwanzigjährige und noch Altere, die allerdings ziemlich langsam und verdrossen dahergekrochen kamen. Hätten sie das Geld für seinen wirklichen Zweck gebraucht, so wären sie bestimmt wie besessen gerannt, um es zu beheben.

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