Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Mystik als Volksbewegung
- Date
- 1931-09-01
- Page
- 411 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912914-2927256--10624-2927403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Grab des R. Elia Gaon in Wilna (Nach einer Zeichnung von Hermann. Struck) östlichen und westlichen Judenheit gezogen hat. Der Schöpfer desChassidismus, der Beseht, ist in den Schatten einer üppig wuchernden Legende gehüllt, die sich — man denkt unwillkürlich an den Parallelfali des Jeschua von Nazareth — mit unheimlicher Raschheit, vielleicht noch zu seinen Lebzeiten zu bilden begann. Israel, der Sohn des Elieser wurde um 1700 in dem Städtchen Okopy in Podolien geboren, verlor früh seine Eltern und erhielt auf Kosten der Judengemeinde Unterricht im Cheder und in der Talmud-Thora des Ortes, wurde mit etwa zwölf Jahren „Behelf er" (Gehilfe des Schuilehrers), später Tempeldiener und oblag eifrig des Nachts dem Studium der Kabbala. Früh verheiratet und bald darauf Witwer, verzog er nach Brody in Galizien, wo er Melamcd (Lehrer im Cheder) wiirde. Dort ehelichte er die Tochter des berühmten Broclyer Rabbiners Abraham Gerschon Kutower; mit ihr soll er sieben Jahre in einem galizischen Karpathendorf bei Kossow gelebt haben. Um 1730 wurde er wieder Melamed in der galizischen Stadt Tluste und etwa fünf Jahre später ,,offenbarte" er sich als Baal-Schern, das ist als „ein des Gottesnamens Mächtiger", der mit Hilfe der Lehren der praktischen Kabbala „Wunder", wie Heilungen von physischen und psychischen Leiden, Beschwörung böser Geister (= Dybukim) vollbrachte. Diese Tätigkeit scheint er auch in den Tluste benachbarten Orten