Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 399 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DURCH SPANIEN UND PORTUGAL 399 Uns liegt es nahe, in dem nationalen Epos der Spanier, dem Meisterwerk des Cervantes, nach Beziehungen zum Judentum zu forschen, wie ja auch in den Romanzen des Cid an einer Stelle Juden genannt werden, die er übertölpelte, mit jenem Koffer, der noch heute nach 1000 Jahren in Burgos gezeigt wird, eine griechische Geschichte, die ihr Analogon im Midrasch hat. Die Gestalten des Alten Testamentes spielen im DonQuijote eine Rolle, was nicht weiter auffällt, da es ja von der Kirche in den biblischen Kanon übernommen worden ist. Sie werden zum Teil, wie damals üblich, als Muster der Tapferkeit zitiert. Ganz flüchtig wird auch einmal angedeutet, daß sich für eine „noch ältere Sprache" als Arabisch ein Dolmetsch finden ließe, eine Anspielung auf das Hebräische und die Scheinchristen. Sancho ist sicher, durch seinen glühenden Judenhaß, sich das Paradies verdient zu haben. Als Statthalter entlarvt er einen Schuldner, der das geborgte Geld in einem Bambusrohr versteckt und diesen Stock seinem Gläubiger zu halten gibt, während er schwört, daß er diesem das geliehene Geld eingehändigt" habe. Diese Erzählung findet sich in der älteren italienischen Literatur, aber, wie man längst erkannt hat, auch schon im Talmud (Nedarim 25). Von jüdischen Denkmälern seien aus der nicht unbeträchtlichen Zahl von Grabschriften nur einige aus der Zeit vor 1000 erwähnt. Die älteste hebräische Inschrift, die in Spanien bisher nachweisbar ist, entdeckte man in der Stadt der Abderiten, heute heißt sie Idra, in der Nähe von Almeria, das uns hauptsächlich die spanischen Trauben liefert. Es ist die Grabschrift eines einjährigen jüdischen Mädchens, nach dem Urteil der Gelehrten aus dem 3. Jahrhundert. Eine zweite — wie die erste im 18, Jahrhundert entdeckt — ist in drei Sprachen, hebräisch, latein und griechisch verfaßt. Auch sie ist die Grabschrift eines Mädchens, vermutlich aus dem 6. Jahrhundert, aus dem auch eine in Elche, der berühmten Palmenstadt, entdeckte Synagoge stammt. Wie diese Inschrift, findet sich auch die dritte, hebräisch und latein, in der Provinz Valencia, und zwar ist sie in Murviedro auf einem Stein im alten Theater zu lesen. Eine in lateinischer Sprache gilt einem Simeon, Sohn des Rabbi Samuel, in Merida (Provinz Estremadura), wohl aus dem Ende des 8. Jahrhunderts. Und nun zum Schluß ein ganz kurzes Wort über die Juden, die jetzt in Spanien leben. In Sevilla wohnen 20 bis 30 Familien, die aus Marokko eingewandert sind, zum Teil auch noch arabisch sprechen. Es sind meist Zuckerbäcker, Marzipan-, Mandel- und Früchteverkäufer, auch Pantoffel- und Schuhmacher. Sie hatten ein kleines Bet-