Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 398 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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398 MENORAH von ganz Setarad genannt, weil er auch Lehensherr des maurischen Königreiches war. Augenscheinlich legte er auf diesen Titel besonderen Wert. Dies geht vielleicht auch aus einer Bezeichnung hervor, die ihm die Juden von Sevilla beilegten. Im Domschatz zu Sevilla sieht man hinter Glas zwei Schlüssel, aus Silber, vergoldet, der eine mit einer arabischen, der andere mit einer hebräischen und einer castilianischen Inschrift. Den ersten überreichten die Mauren Sevillas dem Könige, den anderen die Juden. Auf diesem ist zu lesen: Dios abrira y Rey entrara (Gott wird öffnen und der König eintreten), ferner: melek melakim jiftach(!) melek kol haarez jabo (der König der Könige wird öffnen, der König des ganzen Landes eintreten)! Auch hier, „König des ganzen Landes." (Ähnlich das Mediceische: ,,Der König hat berührt, Gott hat geheilt'4.) Als ein Wahrzeichen der Stadt steht am Ufer des Quadalquivir der Toro del oro, „der goldene Turm", nach seiner einst glänzenden Bekleidung so genannt. In ihm wohnten jüdische Finanzminister. Das Siegel der alten Gemeinde von Sevilla ist im Britischen Museum zu sehen. Die Inschrift lautet: „K'hal ha-kodesch k'hal Asbilia jischmereha zurah w'goalah" (die heilige Gemeinde Sevilla, ihr Hort und Erlöser beschütze siel). Der Lokalheros Sevillas ist sein großer Sohn Cervantes. Zahlreiche Straßen erinnern mit ihren Namen an Szenen aus dem Hauptwerke des Dichters. Ihm hat die Stadt Sevilla vor allem im Park der Maria Luisa eines der sinnreichsten Denkmäler errichtet, die ich je gesehen habe. In Lissabon ist der ganze Pombal-Platz mit einer mosaikartigen Biographie des großen Staatsmannes gepflastert. Orientalische Sitte ist es, großen Männern zum Andenken einen Brunnen zu errichten, der den Überlebenden, Mensch und Tier, Labung spendet. Ganz originell aber auch in diesem Sinne ist die Art, wie Sevilla den großen Dichter geehrt hat. In den Gartenanlagen Maria Luisa, die auch eine kleine öffentliche Bibliothek zu beliebiger Benützung für die Besucher des Parkes aufweisen, lädt mitten im Grünen ein Bankrondell zu behaglichem Ausruhen ein, alles aus Fliesen, die an Delfter Arbeit erinnern und Szenen aus dem Don Quijote mit erklärender gereimter Unterschrift aufweisen. Auf der einen Seite steht eine kleine bronzene Darstellung des Ritters von der traurigen Gestalt, ihm gegenüber auf der anderen sein Sancho Pansa. Schön lautet die Widmung der Stadt Sevilla, „die dieses Denkmal dem berühmten Dichter errichtet hat, der der Welt so Großes geschenkt und mit dem sich die Stadt im Geiste eins weiß".