Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 400

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
Durch Spanien und Portugal
Date
1931-09-01
Page
Seite 400 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912908-2912914-2927254--10611-2927392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

400 MENORAH haus, das aber abgebrannt ist. Jetzt beten sie im Hause des wohlhabendsten unter ihnen. Sie haben einen Schächter, der in einem Abteil des allgemeinen städtischen Schlachthofes am Freitag den Bedarf für die Woche schlachtet. Ihre Kinder besuchen deutsche oder französische Schulen. In Madrid wohnen ziemlich viel Juden. Ihre Zahl ist nicht genau zu erfassen, da sie keinen Zusammenhang bekunden. Einige nehmen eine hochgeachtete, gesellschaftliche Stellung ein. Sie haben einen Betraum in einem Hause, in dem auch der Rabbiner wohnt. Es sind Juden aus aller Herren Ländern. Das Letztere gilt auch von den Juden in Barcelona, die regelmäßig an Sabbat und Festtagen Gottesdienst abhalten, den ein sefardischer Vorbeter leitet. Sie gehen jetzt daran, einen Friedhof zu erwerben. Über die Zeit seit 1492, d. h. das Schicksal der in Spanien zurückgebliebenen Geheimjuden, das nächste-, über die politischen Grundlagen und Voraussetzungen einer jüdischen Neubesiedlung Spaniens vielleicht ein andermal. Im Hofe der Universität Salamanca steht ein Denkmal, eines ihrer bedeutendsten Lehrer, des Fray Luis de Leon, desselben, der gegen den Papst für die Beibehaltung der Corrida eingetreten war. Fünf Jahre lang schmachtete er im Kerker der Inquisition. Als er, aus der Haft entlassen, von den Studenten umjubelt, wieder das Katheder betrat, begann er in Fortsetzung seiner letzten Vorlesung vor fünf Jahren, als habe sein Amt gar keine Unterbrechung erfahren, mit den Worten: „Wir sagten gestern..." Vielleicht kommt einmal die Zeit, da Spanien wieder Schauplatz jüdischer Geschichte wird, wie in der Blütezeit des jüdischen Schrifttums, eine Zeit, in der die neueingewanderten Juden Spaniens versöhnt werden sagen dürfen „Wir sagten gestern . .und ohne Groll über die Schattenseiten der Vergangenheit mit ruhigem jüdischen Gewissen eine glückliche Gegenwart werden leben dürfen. WTir wünschen es vom Herzen für eine nicht zu ferne Zukunft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.