Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 396 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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396 MEN ORAH Ihre Wandverzierung erinnert, wie Prof. Mayer in München hervorhebt, an die eines Teiles der Alhambra (El Partal) und des Generalife. Ein Künstler aus Granada hat sie vermutlich geschaffen, so daß wir hiernach jene Bauten in Granada genauer datieren können. Tritt man aus dem Tor der Stadtmauer, zu dem die Juderia hinführt, hinaus, so überraschen die prachtvollen Anlagen, die jetzt um einen neuen Schmuck die Stadt des „gran capitan" bereichern. Ein Reiterstandbild dieses Stolzes der Cordobaner, des Gonsalvo de Cordoba, der in der jüdischen Geschichte keinen rühmlichen Namen hinterlassen hat, fällt durch den elfenbeinernen Kopf der sonst in Bronze gehaltenen Statue auf, eine Nachahmung der Athene auf der Akropolis. Ist die Synagoge Cordobas, nachdem sie als Kirche, dann als Schafstall gedient hatte, nun nationales Denkmal, so finden wir andere Synagogen noch heut als Kirchen in Gebrauch, so, außer der erwähnten in Zaragoza, eine in Barbasto, eine in Monzon und anderen Städten, worüber das Bulletin der Historischen Akademie in Madrid von Zeit zu Zeit berichtet, so vor allem auch in der Königin Andalusiens, in Sevilla. ,,Quien no ha vista Sevilla, no ha vista maravilla" (Wer Sevilla nicht gesehen, hat kein Wunder gesehen). Es ist eine lachende Stadt, fröhlich schon in den Farben, dem, wie auch in Madrid, hervorstechenden, blendenden Weiß der Fassaden, fröhlich in seiner Blumenpracht, seinem Rosenreichtum, fröhlich im Straßenleben, zumal in der Calle de Serpientes, in der ein Treiben und Drängen herrscht, wie etwa im Bazar zu Cairo. Das Judenviertel Sevillas hat sich erhalten. Es macht, der Größe der Stadt entsprechend, einen bedeutenderen Eindruck als etwa das in Cordoba. Doch weiß das Volk nichts mehr von dem einstigen jüdischen Charakter dieses Platzes und dieser Gassen. Sie vermuten alle, wenn man nach dieser Gegend fragt, man wolle das Haus Murillos sehen, der, bekanntlich wie Velasquez Sevillaner, auch dort gewohnt hat. In einer Geschichte Sevillas aus dem 17. Jahrhundert werden 4 Kirchen bezeichnet, die aus Synagogen umgestaltet worden sind. Den alten Baucharakter am treuesten bewahrt haben S. Cruz und S. Maria la Bianca, die aber weder außen, noch im Inneren etwas aufweisen, was an eine Synagoge erinnern könnte. Hingegen führt eine benachbarte Gasse noch jetzt den Namen Levies nach einer jüdischen Familie, die einst dort gewohnt hat. Hier in diesen Gassen fand anläßlich einer Prozession der Semana Santa 1391 das erwähnte Blutbad statt, dem die 30.000 Juden Sevillas