Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 395 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912914-2927254--10606-2927387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DURCH SPANIEN UND PORTUGAL 395 der aus ihren Händen die Ermächtigung zur Eroberung Indiens empfängt. Besonders der Schleier der Königin stellt ein Kunstwerk in Bronze dar. Das Denkmal ein modernes Werk, sein Schöpfer Benlliure, der auch das Reiterstandbild Primo de Riberas in Cadiz geschaffen hat, nach dem mehrere Straßen in Spanien benannt sind. Auf dem steinernen Sockel des Denkmals Isabellas sind die Männer verzeichnet, die Columbus diesen Freibrief und die Mittel zu seinem Unternehmen verschallt haben. Unter diesen Namen fallen sogleich die der Marranen Luis de Santangel und Alonso des Gabezas auf. Bietet Granada sonst nichts von jüdischem Interesse, so entschädigt uns wieder die Stadt des größten aller spanischen Juden, die Stadt des Maimonides, C o r d o b a. Man braucht nur die Kinder auf der Straße nach der Calle de Maimonides, wie sie betonen, zu fragen und sie laufen einem mit dem Rufe „La Synagoga" voraus durch die Calle de los Judios, das einstige Judenviertel, um die Wärterin der Synagoge herauszuläuten. Diese Synagoge ist erst 1314 oder 1315 erbaut worden, also fast zwei Jahrhunderte nach der Auswanderung des Maimonides aus Spanien, des Mannes, dessen Name nicht nur in unserer jüdischen Geschichte mit drei Sternen geführt wird, sondern auch bei den Spaniern hoch angesehen ist. Die Synagoge Cordobas ist wohl kleiner, als die in Toledo, sie mißt 5 zu 6 Meter, aber an Eindrucksfähigkeit gibt sie ihr nicht viel nach. Die Fliesen, die die Wände zieren, sind hier von einem eigentümlichen Tiefbraun. Ein Teil, der abgefallen ist, liegt im Archäologischen Museum der Stadt auf dem Erdboden. Man ist fast versucht — die Wärterin hätte gar nichts dagegen — sich eines dieser Steinchen mitzunehmen, wie, nach L. A. Frankl, einst Besucher des Escorial sich von den ungeordnet umherliegenden Bücherschätzen nach Belieben Andenken mitnehmen durften, und wie es einst die Engländer und Amerikaner mit Teilen der Alhambra taten, bis endlich die Spanier, die diese Liebhaberei die längste Zeit als Spleen belächelt hatten, endlich darangingen, ihre Denkmäler unter staatlichen Schutz zu stellen. Die Inschriften an den Wänden der Synagoge in Gordoba enhalten in arabisch das Wort beraka (Segen) und einige Psalmworte, im übrigen hebräische Bibelverse und die Angabe des Erbauers etwa: „Im Jahre 75 (1315) baute dies Heiligtum Isak Mechab ben Efraim, komme, o Gott, und baue uns bald wieder auf Jeruschalajm!" (Mechab ist ein bei arabischen Juden gebräuchlicher Vorname, er entspricht dem hebräischen Nathan.) Diese Synagoge hat eine besondere kunsthistorische Bedeutung.