Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 392 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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392 MENORAH sonst, z. B. in Valencia, begegnet: En esta ciudad e prohibito blasphemia y mendicar (In dieser Stadt ist es verboten Gott zu lästern und zu betteln). In Wirklichkeit war Toledo der einzige Ort, an dem wir das Betteln freilich nur als eine Art Kinderspiel, vorfanden. Die Buben und Mädchen belustigen sich damit, den Fremden mit geöffneter Hand nachzulaufen und „perra chica", — d.h. wörtlich „kleine Hündin", Bezeichnung für eine Kupfermünze — zu schreien. (Von „chico" kommt wohl das Wienerische „Tschik" für Zigarettenstummel.) Doch sogleich verscheucht sie das in Spanien besonders wachsame „Auge des Gesetzes'4. Von Synagogen Toledos werden in historischen Quellen drei erwähnt. Bekannt waren bis vor kurzem nur zwei unter den Namen, die sie später als Kirchen erhalten haben, die eine S. Maria la Bianca, die andere Del Transito, die beide unter den Sehenswürdigkeiten der an solchen überreichen Stadt einen derartigen Rang einnehmen, daß wir sie in einer Limpiabotta, einem Schuhputzsalon", auf einem Wandkatalog der Toledaner Kunstdenkmäler an erster Stelle fanden. Die älteste der drei Synagogen, aus der jener Säulenaufsatz im Madrider Museum stammen dürfte, ist wahrscheinlich eine synagogenähnliche Halle in der Calle de la Tornerias (Drechslerstraße), fern vom Judenviertel, auf die man in diesem Zusammenhang erst kürzlich aufmerksam geworden ist. Maria la Bianca (12. Jahrh.) steht jetzt, wie übrigens auch Del Transito unter staatlichem Denkmalschutz. Durch einen Vorgarten gelangt man in einen mäßig großen Raum, dessen Decke durch eigenartig stilisierte Säulen getragen wird. Der Eindruck ist der edler Grazie. Den rechten Überblick über den Bau gewinnt man durch ein Modell der Synagoge im archäologischen Museum der Stadt. Unter einem noch tieferen Eindruck steht man in Del Transito. Das Äußere und der Eingang lassen gar nicht auf den Charakter des Baues schließen. Um so überraschender wirkt das Innere. Neben herrlichen Fliesen, die einst in ihrer Buntheit geradezu geblendet haben müssen, laufen über alle Wände hin hebräische Inschriften, aus denen man trotz ihres lückenhaften Zustandes als Datum der Fertigstellung des Baues das Jahr tob laj'hudim (1363) feststellen konnte. Sie enthalten auch den Namen des Mannes, der diese Synagoge erbauen ließ, Samuel ben Meir Halevi. Er war Finanzminister und Vertrauter des Königs Pedro des Grausamen, der in der Synagogeninschrift gleichfalls genannt wird. Pedro war den Juden wohlgesinnt, ließ aber auf eine Verdächtigung hin Samuel auf die Folter spannen, deren Torturen er erlag. Das Todesjahr ist aus seiner Grabschrift zu