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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 390

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
Durch Spanien und Portugal
Date
1931-09-01
Page
Seite 390 (sequence 4)
Language
German
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390 MEN ORAH In Madrid, erst 1560 von Philipp II. zur Hauptstadt erhoben, sollen die Juden oder Geheimjuden in den Straßen gewohnt haben, die an die Placa Mayor, jetzt Placa de la Constitution, wie man in allen spanischen Städten den Hauptplatz umgetauft hat, grenzen. In der Nationalbibliothek findet man unter anderem Urkunden aus Toledo darüber, wie peinlich man in dieser heiligen Stadt auf ,,Limpieca", auf Reinheit des christlichen Blutes achtete und Neuchristen von öffentlichen Ämtern ausschloß. Das hinderte aber den Erzbischof von Toledo, den höchsten Kirchenfürsten nächst dem Papste, keineswegs, sein leibliches Wohl einem jüdischen Arzte anzuvertrauen, den der König zum Oberrabbiner von Castilien ernannte. Auf der Placa Mayor fanden die Autodefes statt, wie man ein solches aus dem 15. Jahrhundert und ein zweites, das 1680 stattfand, im Prado dargestellt findet. Auf diesem Platze, dort wo jetzt das Reiterstandbild Philipps III. steht, auf dieser Placa de la Constitution, wurde am 30. Juni 1680 zu Ehren Karls II. und seiner jungen Gemahlin, einer französischen Prinzessin, eines der solennesten Autos veranstaltet. 18 Juden und Jüdinnen wurden verbrannt, 54 judaisierende Marranen, die reuig zur Kirche zurückgekehrt waren, mit anderen Strafen belegt. Eine bildschöne Jüdin von kaum 17 Jahren wandte sich hilfeflehend an die junge Königin: Bedenket, großmütige Königin, meine Jugend! Ich soll für den Glauben sterben, den ich doch mit der Muttermilch eingesogen habe." Die Königin durfte nicht aus der Rolle fallen, sie durfte mit der Ungläubigen kein Mitleid zeigen. Der König behielt sich die Ehre vor, eigenhändig die Fackel an den Scheiterhaufen zu legen. Die Verbrennung der todgeweihten Opfer fand auf dem benachbarten Quemadero statt. Die Häuser rings umher dürften alle neueren Datums sein. Aber lebhaft kann man sich die Galerien und Estraden mit den Zuschauern der Autos vorstellen. Auf dem vorerwähnten Bilde sieht man besonders deutlich das junge Königspaar, dem zu Ehren dieses grausige Schauspiel veranstaltet wurde. Als man vor einigen Jahrzehnten den Quemadero umgrub, fand man eine Masse Menschenasche nebst Knochen und Gewandfetzen. Einer meiner Bekannten hat von dieser Asche eine Probe aufbewahrt. Über diesen Greueln schwebte Spaniens böser Geist, der Geist, den Philipp II. am vollendetsten verkörperte. Auch sein Sohn Don Carlos, den Schiller als Märtyrer der Gedankenfreiheit feiert, den aber die historische Forschung seines Nimbus durchaus entkleiden will, war ein warmer Verfechter der Inquisition. Er hat diese Vorliebe durch aktive Teilnahme an Autodefes bestätigt.

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