Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 389 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DURCH SPANIEN UND PORTUGAL 389 in Zaragoza noch nie gesehen hatte. Auf einem kleinen Platze, offenbar dem Zentrum des einstigen Calls, steht die Kirche S. Carlo, die aus der größeren der beiden Synagogen umgewandelt wurde. An den Synagogen Spaniens fällt, wenn man an die Bedeutung der betreffenden Gemeinden denkt, die Bescheidenheit ihrer Größenverhältnisse auf. Sie durften nicht größer gebaut werden, um nicht den Eindruck der benachbarten Kirche oder Moschee zu beeinträchtigen. Aber gerade S. Carlo ist, wenn nicht der Umbau die ursprünglichen Dimensionen wesentlich geändert hat, größer als andere spanische Synagogen, die wir gesehen haben. Die kleinere der beiden Synagogen wurde zu einer Kirche S. Andres umgestaltet und dient jetzt profanen Zwecken. Eindrucksvoll wirkt das Haus, das früher der Rabbiner bewohnt hat. Ein schönes Patio mit einer schmucken Palme. Aus dem mit Azulejos bedeckten Unterstock führt eine zierliche Treppe in einen Oberbau. In diesem Hause dürfte also unter anderen der berühmte Chasdai Crescas gewohnt haben, der erste Kopf, der es gewagt hat, die oberste Autorität des ganzen Mittelalters, Aristoteles, anzugreifen, und den Spinoza mit solcher Achtung zitiert. Crescas hat übrigens auch eine Beschreibung der Judenverfolgung von 1391 hinterlassen. Wie angesehen er bei den Königen von Aragon und Zaragoza als Rabbiner war, ersieht man aus zahlreichen Akten. Die Universitätsprofessoren und Archivare in Zaragoza, mit denen ich zu sprechen Gelegenheit hatte, klagten über den Zustand des Archivs, das mit seinen bis in das 14. Jahrhundert zurückreichenden Akten ungeordnet in einem Holzbau(!) untergebracht ist. Ich fand diese Baracke bis zur Decke vollgepfropft und einer der Beamten zog als Probe zu meiner Überraschung aus der Rocktasche ein Schriftstück hervor, das die Statuten der einstigen jüdischen Gemeinde, der Aljama von Zaragoza enthielt. In der Kathedrale La Seo, an deren Rückseite eine Inschrift besonders die ballspielende Straßenjugend ermahnt, die Würde des Hauses zu respektieren, wird man an einer Stelle an grauenvolle Vorgänge erinnert. Ähnlich wie in Florenz im Straßenpflaster die Stelle bezeichnet ist, auf der Savonarola verbrannt wurde, meldet in jener Kathedrale ein Stein im Bodenbelag, daß dort der Großinquisitor Pedro Arbues 1485 von Marranen erstochen wurde. Die Waffe, die ihm den tödlichen Streich versetzte, hängt am nächsten Pfeiler. Eine Kapelle der Kathedrale ist seinem Gedächtnis gewidmet. Auch der Palast des Grafen de Luna gemahnt mit diesem Namen an die lohenden Scheiterhaufen des Fanatismus, der bis ins 19. Jahrhundert hinein am Werke war.