Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 388 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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388 MEN ORAH milien bildete sie um die Mitte des 14. Jahrhunderts etwa den siebenten Teil der gesamten Bevölkerung. Sie sah sich darin noch von dem benachbarten Tarragona übertreffen, das mehr Juden als Christen und Moriskos aufwies und deshalb die „Judenstadt" genannt wurde. 1391 wurde, wie erwähnt, die Gemeinde Barcelona vernichtet. Im Reiche Valencia blieb damals eine einzige Gemeinde verschont, die von Murviedro, das jetzt wieder seinen antiken Namen Sagunto trägt, wo noch heute die Juderia und zwei hebräische Inschriften zu sehen sind. Barcelona weist eine ganze Anzahl hebräischer Inschriften auf. Mächtige jüdische Grabsteine liegen im Hofe des Archivs der Krone von Aragon, so durcheinander geworfen, daß man die meisten Inschriften gar nicht lesen kann. Einer aus dem Jahre 1044 fällt sofort ins Auge. Er gehörte einem Samuel bar Chalam, der 804, das ist 1043 oder 1044, gestorben ist, ein anderer aus dem Jahre 1270 einer Frau, deren Namen als „Bonconception" gelesen wird. Coneeption ist noch heute spanischer Frauenname. Weitere jüdische Grabsteine findet man im Museum des Montjuich, des Möns judaeorum, des Judenberges, so genannt, weil dort der jüdische Friedhof lag, wie es auch in Mahon auf Minorka einen Monjuich und in Marseille einen Montjuis gab. Eine undatierte Hausinschrift in Barcelona bezeichnet ein Gebäude als Stiftung eines Samuel Hasardi, was als biblischer Name erklärt oderauf eine spanische Ortschaft oderauf Sardinien hinweisen kann. Barcelona spielte im Mittelalter eine wichtige Rolle in der Segelschiffahrt. Festzustellen, welchen Anteil hieran die Juden hatten, ist bisher nicht gelungen. Ein Jude Faquin aus Barcelona war Weltumsegler. Seit 1391 lebte hier der Marrane Jehuda Cresques, genannt Maestre Jahne, der von Heinrich dem Seefahrer zum Leiter einer nautischen Akademie nach Portugal berufen wurde. Er war der Lehrer der Portugiesen in der Schiffahrtskunde. Von den jüdischen Sehenswürdigkeiten kommen in erster Reihe die alten Judenviertel, die Juderias, in Betracht. Eine andere Bezeichnung dafür ist Call oder Callum von Castellum, weil das Judenviertel meist von Mauern umgeben war, eine Bezeichnung, die auch heute noch für das Judenquartier in Sarajevo, in Wien und sonst, z. B. in der spaniolischen Redensart ,,in Call gehen" für ,,Synagoge" gebraucht wird. Sie kennen noch jetzt Christen in einer ganz judenfreien Stadt wie Zaragoza. Das dortige Call macht, wie überhaupt die spanischen Judenviertel, nicht den trübseligen, uns geläufigen Eindruck eines Ghettos. Es ist heute ein Armenviertel, so abgelegen, daß es der deutsche Konsul, der uns begleitete, trotz seines jahrzehntelangen Aufenthaltes