Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Judentum und Feminismus
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 373 (sequence 11)
- Language
- German
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JUDENTUM UND FEMINISMUS 373 windung als M acht. Darum steht es dem Christentum heute noch fremd gegenüber. Das Christentum ist die „Farce" zu der jüdischen ,,Tragödie". Es will die Überwindung des Raumes als Tatsache, setzt den Zustand der absoluten F i n a 1 i t ä t als Ziel. Das Juden t um will von de m Raum als Macht erlöst sein. Der Messias ist eine spezifisch jüdische Angelegenheit, der allerdings sehr leicht zu einer universalen gemacht werden konnte, weil de r R a u m d i e ..Tragödie" aller Menschen ist. In allen Menschen liegt die Sehnsucht nach der absoluten Zeit. Aber aus dem Judentum quillt sie mit einer so spontanen Urleidenschaf t, daß es zum auserwählten Träger dieser Sendung wurde. Vielleicht ist die Geschichte mit dem Paradies — wie schon angedeutet — nur das poetisch-emblematische Gebilde für die Sehnsucht nach der vollkommenen Zeitlichkeit, voll Maßlosigkeit und Lapidaritat, wie alles, was die Semiten der Menschheit gegeben haben. Und der Sünden fall nur die Tragödie des Raumes und der Zeit. A. n dem auffallenden Gesamtumfang der reproduziere nd e n jüdischen Musiker gemessen, hat man den Schluß gezogen, der Jude tauge überhaupt nur für die typisch weibliche Reproduktion auch auf dem Gebiete der Musik, wie etwa auch in der Schauspielkunst. Dies kann man bis zu einem gewissen Grade gelten lassen, zumal für das Judentum nicht viel herauskäme, wenn man seine musikalischen Restände nur an ihrem formalen Werte prüfen wollte. Nun setze ich hier einmal die umgekehrte Optik an. Ich frage: Wodurch lebt ein musikalisches Werk? Durch das Subjektive der Reproduktion. Diese Reproduktion ist etwas eminent Singuläres. Die musikalische Form ist geschaffen, gebildet. Gewiß, darauf kommt es an für eine „Kultur". N u n n i m m t de r r c p r oduzierende Musiker die an sie h tote F o r m zum s t o f 1 g ebundene n A u s g a n g u n d v i t a- 1 i s i e r t s i e durch das Hinzutreten der S u b j e k t i v i t ä t. Gerade die Musik ist die Kunst, die nur durch das reproduzierende Subjekt lebt. Sonst ist sie tot, höchstens dem Musikwissenschaftler zugänglich, der sie aber erst recht nicht zum Leben bringen kann. Ich erbe b e Ans p r u c h f ii r den reproduziere n d e n K ü n s tler als eigen schöpferisch er Mensch, als der M ensc h, der einem an sich leblosen Kunstwerk den schöpf er i s c h e n Impuls gibt — oder nicht gibt. Das Problem ist disjunktiv. Darüber täusche man sich nicht. Aber man übersieht, daß alle Phänomene K r e i s p h ä n om e n e sind, die sich von selbst