Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Judentum und Feminismus
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 372 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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372 MENORAH den Grund gekommen. Ich bin der Ansicht, daß die Juden sich nicht so sehr zu wehren brauchen, denn erstens ist es ein Beweis seiner eminenten Schöpferischkeit auf diesem Gebiete, und zweitens hat es die Ehre, daß es auch das Gegenstück des Kapitalismus hervorgebracht hat: M arxens K a p i t a 1. In den beiden Antithesen hat es das Gigantischste geleistet: darum ist Sombarts Buch nicht einseitig, sondern von umfassender Berechtigung. Gehen wir daran, die Geschichte einmal durch die Optik des Weibes und des Judentums zu sehen, dann werden wir staunen, nicht nur über eine etwaige Bereicherung der Erkenntnis, sondern vor allen Dingen um die positive W ert Steigerung der beiden problematischsten Phänomene des Lebens: eben des Weibes und des Judentums. 13 e r J ude ist eine w e i b 1 i c h e Natu r, das heißt eineNatur, inderd e r R a u mu n d F o r m s i n n, das M ä n nliehe, a m s c h wachsten entwickelt is t. Darin liegt seine Zukunft. Gewiß haben Milieu, Assimilation und vielleicht Proselytentum (obwohl der Jude nieProselytenmacher war) dazu beigetragen, den Formsinn des Rassenkomplexes stärker zu entwickeln, eben durch Anpassung und Mischung. Aber d i e j ü d i s c h e Substanz ist dabei u nb e r ü h r t g e b 1 i e b e n. Nach wie vor ruht das Schwergewicht seiner Existenz auf der Zeit, der Bewegung, den Dingen, die ihn viel nachhaltiger auf die Seite des Weiblichen stellen, als auf die des Männlichen. So konnte der Erlösungsgedanke nur durch ihn in dieses große Pathos wachsen. Erlösung ist Erlösung vom Raum, die Sehnsucht nach reiner Zeitlichkeit. Sein Leben in der Antike war diesem Traum nahe. Aber Verfolgung und Knechtung erzogen ihn immer mehr für die Realität, und die Diaspora hat ihn notwendig noch tiefer in die Wirklichkeit gestellt. Aber immer blieb die Sehnsucht nach der reinsten Zeitlichkeit (,,Paradies") in ihm lebendig. Erlösung i s t e i n e rein jüdische Angelegenheit, soweit der Gedanke aus dem Alten Testament hervorgegangen ist. Das Christentum hat sie zu einer allgemein-menschlichen Angelegenheit erweitert und mil.ibildet. Beide haben im Grunde genommen recht. Denn nicht nur in dem Juden lebt die Sehnsucht nach der reinen Zeitlichkeit, sondern auch in vielen anderen Menschen. Hier ist in de m J u d e n t u m noch jene eigenartige Diskrepanz, die man v i e 1- 1 e i c h t m i t Nietzsche den „W i 11 e n zur Mach t" n e n n c n könnte. Das ist seine Auserwähltheit. Aber Wille zur Macht: -— ist das nicht auch die reine Zeitlichkeit? Das Judentum will nicht die Überwindung des Raumes als Tatsache, sondern seine Über-