Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Der Brüsseler Internationale Sozialistenkongreß im Jahre 1891 und die Judenfrage
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 361 (sequence 11)
- Language
- German
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INTERNATIONALER SOZIALISTENKONGRESS 361 bevorzugte Konzessionäre. Das nannten diese „Auch-Sozialisten" „eine spezielle Bewegung zugunsten des jüdischen Volkes". Das strichen sie als Gegensatz gegen Pogrome und jüdische Rechtlosigkeit heraus. Ragnards Einwand war die alte Behauptung aus dem Lager des Antisemitismus, die Juden hätten es auf die Eroberung der Welt abgesehen. Der Aufsatz in Plechanows Zeitschrift kritisiert mit scharfen Worten die Stellungnahme des Kongresses zum Punkt 4 ". Er bringt interessante Argumente nicht nur gegen die Abänderung von Agiriades und die Rede Dr. Ragnards, sondern auch gegen die Resolution von Wolde r s. Er vernichtet den Einwand, der Kongreß brauche sich mit der Judenfrage nicht zu befassen, weil die Sozialisten schon immer den Rassenhaß verurteilen. ,,Die Sozialisten" heißt es in jenem Aufsatz, ,/treten ja auch immer für die Gleichberechtigung der Frau ein, nichtsdestoweniger hinderte das den Kongreß nicht, eine Resolution anzunehmen, in der die sozialistischen Parteien aller Länder aufgefordert werden, in ihren Programmen auch die vollkommene politische Gleichberechtigung der Frauen zu verlangen.'* Der Verfasser des Aufsatzes zitiert die Worte Paul Singers, die er auf diesem Kongreß anläßlich der Behandlung der Frauenfrage gesprochen hatte: ,,Diese Forderung" sagte Sing e r ,,ist längst in unser Programm aufgenommen worden; es gibt jedoch Länder, wo das noch nicht der Fall ist. Daher ist diese Resolution vollkommen berechtigt." Nun bemerkt der Artikelschreiber des russischen „Sozialdemokrat": „Das Gleiche könnte man beinahe von der Judenfrage behaupten: Obwohl wir Sozialdemokraten seit jeher für die Gleichberechtigung aller Menschen eintreten, gleichgültig welcher Nation oder Religion sie. angehören, aber in Anbetracht, daß es Länder gibt, wo die uns feind lieh gesinnten Parteien die Arbeiterschaft ins Lager des Antisemitismus hineinzudrängen bestrebt sind, erachten wir es für notwendig, allen Sozialistischen Parteien zu empfehlen, in ihren Programmen die vollkommene politische Gleichberechtigung für alle Menschen, unbeschadet ihrer religiösen oder nationalen Zugehörigkeit, zu fordern. Und wir Sozialisten aller Länder müssen diese Forderung mit besonderem Nachdruck verfechten, da wir wissen, in welchem Maße die Internationale sozialistische Bewegung den Juden zu Dank verpflichtet ist und was für niedrige Interessen jene Regierungen und Parteien verfolgen, welche die Christen gegen die Juden hetzen." Über Agiriades' „Philosemitismus" äußert derselbe Artikel-