Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Der Brüsseler Internationale Sozialistenkongreß im Jahre 1891 und die Judenfrage
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 360 (sequence 10)
- Language
- German
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360 MENORAH ,,Und Leute vom Schlage Agiriades' dürfen das ohne weiteres?"" „Niemand nimmt seine Reden ernst. Hätten Sie die Suppe nicht eingebrockt, so wäre solchen Leuten keine Gelegenheit gegeben." Die Debatte wurde fortgesetzt. Neuerliche Erregung. Als Kompromiß wurde schließlich Wolders' Resolution mit einer Abänderung von Agiriades angenommen, was so viel bedeutete, wie daß der Kongreß den Antisemitismus sowohl wie den P Ii i 1 o s e m it i s m u s verurteilte. Ich war außer Fassung. Ich hielt es einlach nicht für möglich. Ich war mit einem von internationaler Liebe erfüllten Herzen gekommen. Hätte mir vorher jemand gesagt, daß auf einem Internationalen sozialistischen Kongreß Reden von der Art Agiriades' und Ragnard s möglich gewesen wären — ich hätte ihm ins Gesicht gelacht. Es sei jedoch vermerkt, daß die französischen Delegierten, die einen antisemitischen Ton anschlugen, nur Vertreter von halbsozialistischen Parteien waren. Die sozialistische Bewegung Frankreichs; war um jene Zeit geteilt und zersplittert. Vollkommene im sozialistischen Sinne gab es nur drei, von denen jedoch nur eine einzige die ,,Partie Ouvriere" von Jules (Jede eine echte Sozialdemokratische Partei war, wie die Deutschlands oder Österreichs. Den Namen „Sozialisten" trugen (und tragen bis auf den heutigen Tag) liberale Organisationen von kleinen und mittleren Geschäftsleuten und Bauern, die mit dem Sozialismus nichts gemein haben. Es ist oft schwer herauszufinden, wer ein wirklicher Sozialist ist und wer sich nur mit dem Namen schmückt. Über Dr. Ragnard, der von einer „Semitischen Frage" gesprochen hatte, finden wir in dem erwähnten Artikel des „Sozialdemokrat" folgende interessante Bemerkung: „Zur Ehre des französischen Proletariats sei angeführt, daß Dr. Ragnard nicht der „Arbeiterpartei" angehört. Er wurde auf den Kongreß von einer „Gruppe zum Studium der sozialen Frage" entsandt, und es ist leicht ersichtlich, daß diese Gruppe in der Theorie des Sozialismus der Gegenwart noch wenig bewandert ist." Was Agiriades betrifft, war er ebenfalls kein Delegierter der Französischen Arbeiterpartei. Ob er einer der beiden anderen sozialistischen Organisationen angehört halte, weiß ich nicht mehr. Dort gab es jedenfalls Wirrköpfe genug, die vom Sozialismus keinen blauen Dunst hatten. Unter „Philosemitismus" verstanden Agiriades und R a g n a r d die Geschäftsverbindung des jüdischen Finanzkapitals mit den Regierungen, die jüdischen Eisenbahngesellschaften, oder andere vom Staate