Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Der Brüsseler Internationale Sozialistenkongreß im Jahre 1891 und die Judenfrage
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 362 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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362 ME NORAH Schreiber, es hätte nur dann einen Sinn, diesen auf die gleiche Linie mit dem Antisemitismus zu setzen, wenn es ein Land gäbe, wo die Juden als solche im Besitze höherer Rechte als die Christen wären, und wo die Christen wegen ihrer Zugehörigkeit zum Christentum verfolgt würden. Und bezüglich der Angst Ragnards, daß die jüdischen Banken „uns alle vernichten werden", heißt es in dem erwähnten Artikel: Sollten die Banken das beabsichtigen, so werden sie das tun als Banken und nicht gerade als jüdische. Die Bankent'rage ist eine ökonomische, aber keine nationale Frage." Interessant und scharfsinnig sind in diesem Artikel noch folgende Zeilen: „Indem der Kongreß für die Frauen die gleichen politischen Rechte wie für die Männer fordert, hat er damit die jüdischen Frauen nicht weniger als die anderen im Sinne gehabt. Wenn dem so ist, wie sieht diese Forderung beispielsweise in beziig auf Rumänien aus? Es hat den Anschein, als ob der Kongreß, indem er für die Gleichberechtigung der jüdischen Frauen in Rumänien eintritt, es für unnötig hielte, gegen die Rechtlosigkeit der jüdischen Männer in Rumänien zu protestieren. Woher die Voreingenommenheit des Kongresses für das schöne Geschlecht?" Vor meiner Abreise von Brüssel erhielt ich zwei Briefe von Vorstehern jüdischer Gemeinden — der eine kam aus Budapest, der andere aus München. Ein dritter Brief, ich weiß nicht mehr woher, erreichte mich in London. Alle betrafen den „Punkt 4". — Der Brief aus Budapest vertrat ungefähr die gleiche Ansicht wie der Rabbiner von Brüssel. Der aus München enthielt einen langen Disput gegen den Sozialismus, und der dritte — er stammte von einem Redakteur eines deutschjüdischen Wochenblattes — bat um Einzelheiten der Kongreßdebatte über die Judenfrage. Meine Rede bot Anlaß zu Diskussionen in der nationalistischen jüdischen Presse aller möglichen Sprachen. Auch in der sozialistischen Presse wurde sie vielfach erörtert.