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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Der Brüsseler Internationale Sozialistenkongreß im Jahre 1891 und die Judenfrage
Date
1931-07-01
Page
Seite 355 (sequence 5)
Language
German
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INTERNATIONALER SOZIALISTENKONGRESS 355 einigen Fakten über verschiedene Formen von Judenverfolgungen. Paul Singer und Viktor Adler waren der Ansicht, die ganze Angelegenheit würde mehr Schaden als Nutzen bringen. Ich aber war mit ihnen nicht einverstanden und beharrte auf meinem Standpunkt. Adler lud mich zum Abendbrot in ein Restaurant ein, wo er mir. als der Punkt 4 zur Sprache kam, den dringenden Rat erteilte, ihn zurückzuziehen. Er war ein Mann von seltener Klugheit und Freundlichkeit; wie ein Jude zu einem Juden redend, versuchte er, in einem konzilianten, witzigen Deutsch mir beizubringen, da Ii er meinen Punkt als Taktlosigkeit betrachte. „Taktlosigkeit?" gab ich ironisch zurück. „Der Rabbiner von Brüssel äußerte sich in dem gleichen Sinne, ging aber von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus." Nun trat Paul Singer an unseren Tisch. Ich war beinahe davon überzeugt, Adler habe mit ihm die Abmachung getroffen, um diese Zeit ,,zufällig" im Restaurant anwesend zu sein. Wir diskutierten hin und her. Seine Erklärungen bestanden hauptsächlich in folgendem: „Die Gegner des Sozialismus behaupten, der Sozialismus sei ein jüdisches Produkt; sie weisen darauf hin, daß Karl Marx und Lassalle Juden waren, und daß ja auch Paul Singer und V i k l o r A d 1 e r Juden sind. Die ganze Sozialistische Bewegung, sagen die Antisemiten, werde mit jüdischem Gelde erhalten. Sollte also meine Resolution angenommen werden, so würden die Gegner der Sozialistischen Parteien Wasser auf ihre Mühle bekommen. ,Da habt Ihr's!" würden sie sagen. .Der Sozialistische Kongreß nimmt die Juden unter seine Fittiche! Er ist ein ,Judenbeisel'!" „In Wien sind die Antisemiten sehr mächtig" sagte Adler „und wir Sozialisten sind die gefährlichste Waffe gegen sie. Sollte Ihre Resolution angenommen werden, so würden sie uns mit dem Argument begegnen, daß ihre Behauptung, der ganze Sozialistische Kongreß sei nichts als ein jüdischer Markt gewesen, Bestätigung gefunden hätte. Das Wort .Markt' gebrauchen die Antisemiten immer und überall, wo von Juden die Rede ist, um damit anzudeuten, daß die Juden stets nur auf Handel, Schacher und Wucher bedacht sind." Ich erwiderte, es gehöre nicht zu den Gepflogenheiten der Sozialisten, sich durch die Lügen und Verleumdungen ihrer Gegner abschrecken zu lassen; wir müßten unsere Pflichten erfüllen, ungeachtet aller Schwierigkeiten. Kurz, ich gab nicht nach. Der Punkt 4 blieb demnach auf der Tagesordnung. Als man auf den Sitzungen des Kongresses an die Erörterung des

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