Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Der Brüsseler Internationale Sozialistenkongreß im Jahre 1891 und die Judenfrage
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 353 (sequence 3)
- Language
- German
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INTERNATIONALER SOZIALISTENKONGRESS 353 II. Ich bringe die Judenfrage auf die Tagesordnung — Der Rabhiner von Brüssel — Paul Singer — Viktor Adler Bevor ich von New York abreiste, sandte ich an das Kongreßbiiro einen Brief, in dem ich verlangte, daß folgender Punkt aul die Tagesordnung gesetzt werde: Welche Stellung haben die organisierten Arbeiter aller Länder zur Judenfrage einzunehmen?" Diese Frage wurde auf Punkt 4 gesetzt. Sofort nach meiner Ankunft in Brüssel ließ ich ein kleines Flugblatt drucken, das alle wichtigen Tatsachen und Ziffern über die jüdische Arbeiterbewegung in Amerika enthielt: Die Zahl ihrer Gewerkschaften, ihrer Streiks und ihrer Errungenschaften. Das Flugblatt berichtete auch von der begeisterten Anteilnahme des jüdischen Proletariats an den Feierlichkeiten des 1. Mai und von seinem Kontakt mit der Sozialistischen Arbeiterpartei. Ich verteilte das Flugblatt unter den Delegierten, und sie brachten ihm Interesse entgegen. Manche von ihnen konnten sich nicht vorstellen, daß es überhaupt jüdische Arbeitergewerkschaften geben könnte. Sie standen unter dem Eindruck, jüdische Arbeiter wären überhaupt eine Seltenheit. Es gab auch solche, die der Meinung waren, alle Juden wären Bankiers, Fabrikanten und Kaufleute, und arme Juden gäbe es keine in der Welt. Einige traten mit dem Flugblatt in der Hand an mich heran, gaben ihrer Überraschung in beziig auf unsere Bewegung Ausdruck und richteten Fragen an mich betreffs unserer Unions und über Amerika im allgemeinen. Von dem jüdischen „Punkt 4" und meinem Flugblatt hatten die belgischen und auch die anderen Zeitungen Notiz genommen. Reporter und Korrespondenten suchten mich auf, unter ihnen ein etwas beleibter, vornehm gekleideter Londoner Journalist. Er war Jude und brachte meiner auf die Tagesordnung gesetzten Frage besonderes Interesse entgegen. Ich gewährte ihm ein Interview, und er begleitete mich, als ich mich ins Hotel begab. Ich bemerkte, daß er damit eine besondere Absicht verfolgte. Worin sie bestand, wußte ich zunächst nicht. Endlich rückte er mit einer Einladung des Brüsseler Rabbiners zum Mittagessen heraus. „Der Rabbiner erbittet sich die Ehre, Ihre Bekanntschaft machen zu dürfen" sagte er. „Dann soll er zu mir ins Hotel kommen" erwiderte ich stolz. „Er ist der Vertreter der Brüsseler Judenschaft und Sie sind ein Gast" fuhr der Journalist fort, „daher lädt er Sie zu sich ein. Er will Ihnen einfach seine Gastfreundschaft erweisen und er interessiert sich für den Punkt, den Sie auf die Tagesordnung brachten." Der Journalist