Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Zur Frage der jüdischen Berufsumschichtung
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 335 (sequence 11)
- Language
- German
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JÜDISCHE BERUFSUMSCHICHTUNG 335 der des Angestelltenverhältnisses vor sich geht. Die ganze Gruppe ist ja schließlich von den oben angedeuteten allgemeinen Entwicklungen in höchstem Grade abhängig, der Unternehmer nicht minder als der Angestellte. Die Entscheidung ist sehr schwer! Aber was bleibt den mitteleuropäischen Juden anderes übrigV Sie können natürlich in der Hoffnung auf eine ,,Konjunkturbesserungu erklären, daß die gegenwärtige Situation sich sehr bald wieder zum Günstigen ändern werde. Aber nichts wäre falscher als diese Auflassung. Der jüdische Kaufmann, der auf Grund der jüngsten konjunkturellen Entwicklungen aus der Kahn geworfen worden ist, kann nur mit einer überaus geringen Chance auf Verwirklichung die Hoffnung hegen, daß eine Konjunkturbesserung ihn aus einer Entwicklung herausretlen werde, über deren konjunkturelle Bedingtheit man zum mindesten im Zweifel sein muß; im Zweifel, soweit es sich um allgemeine Entwicklungen handelt, nicht aber soweit es sich um die spezifische wirtschaftliche Entwicklung der mitteleuropäischen Juden handelt. Denn deren Zurückclrängung aus den freien 1 landelsberufen hat, wie der Verfasser dieser Zeilen an anderer Stelle nachweisen konnte, bereits längst eingesetzt, als von der Krisenhaftigkeit der gegenwärtigen ,,Konjunktur" weder in Deutschland noch in Österreich irgendetwas zu merken war. Es ist deshalb gar keine Gewähr dafür gegeben, daß die Gesamtsiluation des mitteleuropäischen Judentums sich wirtschaftlich wesentlich bessern werde, wenn eine schon seit so langer Zeit erhoffte Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage eintritt. Zum mindesten besteht diese Gewähr nicht für den jüdischen Nachwuchs, auf dessen Schicksal es uns ja wesentlich ankommen muß. Seine Betätigung in Handelsberufen der bisher von den mitteleuropäischen Juden stark besetzten Kategorien kann mit gutem Gewissen kaum empfohlen werden. 'Nun wird man freilich sagen, daß gegenwärtig die Arbeitslosigkeit gerade in der Industriearbeiterschal't Mitteleuropas so ungeheuer ist, daß auch hier die Chancen für eine Unterbringung jüdischer Menschen minimal wären. Das ist aber nicht ganz richtig. Gerade der gegenwärtige Zeitpunkt mit dem einsetzenden Nachwuchsausfall. der durch die Kriegsjahre bedingt isl und während der nächsten 4 bis 5 Jahre anhalten wird, ist in gewissem Sinne für ein Hineinbringen jüdischer Lehrlinge in die großen industriellen Betriebe ausgesprochen günstig. Die Sozialgesetzgebung, die ja in Deutschland und in Österreich besonders entwickelt ist, nimmt einem solchen Vorgang so manche Härte, die ihn früher als wenig erstrebenswert erscheinen ließ. Aufsliegsmög-