Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Zur Frage der jüdischen Berufsumschichtung
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 334 (sequence 10)
- Language
- German
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334 MENORAH gieren. Das mitteleuropäische Judentum fühlt sich auf einem zu hohen geistigen Niveau, um heute schon ernsthaft diesen Weg beschreiten zu wollen. Die Frage ist, ob es die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung dieses Niveaus noch auf längere Fristen hin bewahren und immer wieder neu schaffen kann. Nach den Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit und vor allem der Gegenwart kann diese Frage nicht mit Allgemeingültigkeit bejaht werden. Eine Herabdrückung des ganzen sozialen Standards des mitteleuropäischen Judentums ist bereits heute erkennbar und wird in Zukunft voraussichtlich noch stärker erkennbar werden. Die Gründe hierfür können in ihren Einzelheiten hier nicht auseinandergesetzt werden. Die Tatsache als solche, auf die es ja allein ankommt, wird aber nicht gut bestritten werden können. Infolgedessen dürfte dieses Hemmnis, welches bisher dem übergange eines relativ großen Teiles der jüdischen Bevölkerung Mitteleuropas in die Handarbeiterschaft entgegen gestanden hat, sehr bald als ausgeräumt gellen können, denn mit der Senkung des durchschnittlichen sozialen Standards geht iiaturnolwendig auch eine Senkung des durchschnittlichen geistigen Niveaus Hand in Hand. Im Generationenwechsel sehen wir das heute bereits bei objektiver und unsentimentaler Betrachtung der Dinge deutlich genug. Damit soll nicht gesagt sein, daß es sich hier um eine spezifisch jüdische Erscheinung handle; aber ihr Vorhandensein in außerhalb des Judentums stehenden Schichten des mitteleuropäischen Bürgertums beweist nur die Zwangsläufigkeit der ganzen Entwicklung. Es scheint, als ob hier die entscheidende Frage für das ganze künftige Schicksal des mitteleuropäischen Judentums liegt. Wenn es aus einem heute weder in der allgemeinen Situation noch in der speziellen jüdischen eine Grundlage findenden Anspruch heraus sich auf den Standpunkt stellt, daß eine Betätigung verhältnismäßig zahlreicher jüdischer Menschen in der Handarbeiterschaft der großen Industriezentren nicht angängig sei, wenn es gar diesen Anspruch so weit treibt, eine solche Betätigung als „unwürdig'* zu bezeichnen, so bleibt ihm, da eine Auswanderung infolge der allenthalben wirksamen Grenzsperren kaum für die Masse des Nachwuchses in Frage kommt, nur die hoffnungslose Möglichkeit des Fortvegetierens in Berufen, welche durch eine allgemein wirksame und zwangsläufig wirkende wirtschaftliche Entwicklung mehr und mehr aus dem wirtschaftlichen Kreislauf ausgeschaltet werden, das heißt also im individuellen Handel. Hierbei ist es im Prinzip ziemlich gleichgültig, ob diese Betätigung im individuellen Handel in Form der selbstständigen Unternehmertätigkeit oder in