Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Zur Frage der jüdischen Berufsumschichtung
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
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336 MENORAH lichkeiten für den Begabten sind in der Industrie, wenn sie wirklich von unten her auszunutzen versucht werden, heute sicherlich größer als in irgendeiner anderen Wirtschaftsgruppe. Freilich darf man in dieser Beziehung wohl nicht davon ausgehen, daß nun auch wirklich alle oder auch nur ein erheblicher Teil etwa in die Industrie hineingehender jüdischer Menschen von diesen Aufstiegsmöglichkeiten werden Gebrauch machen können. Für eine relativ kleine Anzahl mitteleuropäischer Juden bestehen übrigens gewisse Aussichten innerhalb der subalternen und mittleren Beamtenschaft der staatlichen und kommunalen Behörden. Die Möglichkeit hierzu ist in der Vergangenheit seit Kriegsende viel zu wenig ausgenutzt worden, und zwar wiederum aus einer gewissen anspruchsvollen Einstellung heraus, mit der die Betätigung in mittleren und subalternen Beamtenstellen abgelehnt zu werden pflegt. (In Österreich sind diese Verhältnisse übrigens besser als in Deutschland, schon in der Zeit der Monarchie war ja der jüdische Postbeamte und Eisenbahnbeamle in gewissen Teilen des Reiches keine Seltenheit.) Ein systematisches Studium der sich in dieser Richtung ergebenden Möglichkeiten scheint aber bisher noch nicht erfolgt zu sein. Zum mindesten in Deutschland dürfte es zu den dringendsten Erfordernissen der jüdischen Berufsfürsorge gehören, diese Versäumnisse nachzuholen. Es gibt zwar in Deutschland eine Anzahl jüdischer Staatsbeamter und auch Kommunalbeamter, aber diese sind wesentlich nicht auf dem üblichen Wege, sondern unter den durch den Umsturz geschaffenen Sonderverhältnissen in die fraglichen Positionen hineingekommen. Eine systematische Pflege der hier vorhandenen Möglichkeiten hat aber bisher gefehlt. Jedenfalls scheint die Chance für ein Eindringen in diese Berufe mit ihrer relativ großen materiellen Sicherung und Konjunkturunempündlichkeit eine wesentlich bessere zu sein als etwa noch das fortgesetzte Hineinpressen junger jüdischer Menschen in die ohnehin in Mitteleuropa maßlos überbesetzten akademischen Berufe, speziell in den Arzt- und in den Anwaltsberuf.