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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 333

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Zur Frage der jüdischen Berufsumschichtung
Date
1931-07-01
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE BERUFSUMSCHICHTUNG 333 sehen Schichtung der Juden des Reichs und Österreichs besteht, das ist das Eindringen in die Industrie. Und zwar kann dieses Eindringen nicht mehr, wie bisher, von oben her erfolgen, nämlich über eine bankmäßige oder kaufmännische Tätigkeit in den Finanzierungsapparat der Industrie hinein, sondern umgekehrt, von unten her über die Handarbeit in den Betriebsapparat. Mit anderen Worten: Nennenswerte Prozentsätze des jüdischen Nachwuchses in Mitteleuropa können auf dem Wege der Berufsumschichtung nur dort Aufnahme linden, wo die Massen der mitteleuropäischen Völker sich selbst mehr und mehr konzentrieren, nämlich in der Industrie. Aber haben die Juden früher der Industrie sozusagen die Kapitäne oder doch wenigstens eine große Reihe sehr tüchtiger Offiziere gestellt, so scheint die Chance hierfür heute bereits sehr klein geworden zu sein. Dem freien jüdischen Wirtschaftsindividualismus ist der Spielraum in unserem Zeitalter der wirtschaftlichen Organisation und Kollektivisierung so weit eingeengt, daß eine größere Anzahl jüdischer Menschen heute nicht mehr damit rechnen kann, in führende Positionen der mitteleuropäischen Industrie hineinzugelangen. Das liegt aber nicht nur in rein wirtschaftlichen Enlwicklungsmotiven, sondern vor allem auch darin, daß die Industrie als solche die jüdische Führung durchaus nicht mehr will und daß sie selbst dort, wo sie heute diese Führung noch sieht, teils bewußt, teils unbewußt darauf hinarbeitet, sie zu beseitigen. In einer Beziehung hat nun freilich diese Führung ganz bestimmt versagt: In den großen industriellen Gruppen, in deren Aufsichtsräten Juden in verhältnismäßig großer Anzahl sitzen, ist von einem Einfluß, der auf eine paritätische Behandlung jüdischer und nicht jüdischer Stellungsgesuche hinausliefe, mit verschwindenden Ausnahmen nicht das Geringste zu merken. (Übrigens ist das nicht nur in der Industrie so, sondern auch im Bankwesen.) In dieser Hinsicht muß durch eine planmäßige, sachliche und ganz nüchtern mit den Tatsachen arbeitende Beeinflussung jüdischer „Wirtschaftsführer'* unbedingt Wandel geschahen werden. Gelingt das nicht, so ist auch eine Umschichtung nennenswerter Prozentsätze des jüdischen Nachwuchses in Richtung zur Industrie hin kaum durchführbar. Wir haben oben bereits angedeutet, daß diese Umschichtung nur einen Weg hat, nämlich daß sie nur von unten her, das heißt auf dem Wege über die Arbeiterschaft im Betriebe, erfolgen kann. Der Gedanke, Juden in die Arbeiterschaft als durchschnittlich bezahlte und in Durch- Schnittstätigkeiten beschäftigte Mitglieder derselben hineinzubringen, ist nun allerdings gerade in Mitteleuropa nur sehr schwer zu propa-

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