Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Zur Frage der jüdischen Berufsumschichtung
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 332 (sequence 8)
- Language
- German
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332 MENORAH die oben angedeuteten Gefahren aufs Stärkste bedroht. Mitteleuropa wird jedenfalls in Zukunft in noch weit höherem Grade als heute landwirtschaftliche Produkte, die für die Volksernährung von entscheidender Bedeutung sind, billiger als es sie selbst zu produzieren vermöchte, aus dem Auslände kaufen. Unter solchen Gesichtspunkten betrachtet wird man dem Versuch, eine größere Anzahl jüdischer Menschen in die deutsche oder überhaupt in die mitteleuropäische Landwirtschaft hineinzubringen, nur mit sehr großer Zurückhaltung gegenüber treten können. Die Aussichten gerade dieses Wirtschaftszweiges sind aus Gründen,die keineswegs nur konjunkturell bedingt sind, viel zu schlecht, als daß man die Betätigung in ihm generell empfehlen könnte. Es ist deshalb zu begrüßen, daß der Reichsbund für jü dische S iedlun g seinerseits die Umschichtungstätigkeit nur auf einen sehr kleinen Kreis ausgewählter Menschen beschränkt. Sein Programm sieht für das lautende Jahr nur die Ansetzung von etwa 8 bis 10 Siedlern auf Parzellen vor, welche durch die staatliche Siedllingsaktion beschafft werden. In diesem Rahmen dürfte die Tätigkeit der genannten Organisation auch in absehbarer Zukunft bleiben, jedenfalls wird dies von beteiligter Seite versichert. Dies vorausgesetzt, ist natürlich gegen die Tätigkeit des Reichsbundes nicht das Allergeringste einzuwenden —, aber von irgendeiner fühlbaren Erleichterung des Umschichtimgsproblems durch den Reichsbund kann unter diesen Verhältnissen natürlich keine Rede sein. Man sollte es sich sogar überlegen, ob nicht schon die Bezeichnung „Reichsbund für jüdische Siedlung" Illusionen erweckt, die man selbst keineswegs bewußt hervorzurufen beabsichtigt und die man auch nicht annähernd zu konkreten Hoffnungen umzugestalten imstande ist. Jedenfalls müssen wir im Augenblick bedeutsame Möglichkeiten für eine Umschichtung von Juden in Richtung auf die Landwirtschaft hin als nicht gegeben betrachten, und zwar dürfte dies nicht nur in Deutschland allein, sondern für ganz; Mitteleuropa Geltung haben. Man mag das bedauern! Aber wir können es im Moment nicht ändern, und es zeigen sich auch keine Ausblicke, die eine solche Änderung erwarten lassen. Eher ist das Gegenteil der Fall. Die Schwierigkeiten scheinen größer zu werden. Es ergibt sich hieraus natürlich die Frage: ,.In welcher Richtung soll nun aber die allgemein als notwendig anerkannte Berufsumschichtung der Juden in Deutschland und auch in Österreich verlaufen?" Die Antwort auf diese Frage ergibt sich ganz zwangsläufig. Sie lautet, daß nur eine einzige Möglichkeit für eine Gesundung der sozial-ökonomi-