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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Oskar Strnad und das Theater
Date
1931-07-01
Page
Seite 323 (sequence 13)
Language
German
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OSKAR STRNAD UND DAS THEATER 323 schwinden nach ohen im Velum. Nach unten die Stufen unter die Zuschauer hinweg ins Unkontrollierbare. So lebt der Zuschauer gewissermaßen raumlos, schwebend im Unendlichen-Raumdynamischen der Bühnenwelt. Alles darin wird zum Raumerlebnis, zur Szene im Sinne des Spiels. Alles Licht im Haus ist Licht der Szene. Keine Lampe, nichts Körperliches. Nur wenn szenisch, mimisch Lichtträger gefordert werden, so können sie auf den beiden Treppenwangen der Zuschauertribüne aufgestellt werden. Sie sind dann Spielelement, ebenso wie die der Stimmung des Stückes jeweils entsprechend verkleideten Pfeiler. Der Zuschauer, der die statisch-reale Welt des Vestibüls, Foyers und Stiegenhauses durchschritten hat, kommt unvermutet in die irreale, raumlose, mimische des Spiels. Das Spiel kann von allen Seiten einsetzen. Links und rechts hinter den Treppenwangen der Zuschauertribünen hervor, unter den Sitzen der Zuschauer heraus, oben im Umgang vorbeischwebend, oder aus den Öffnungen heraus und in andere verschwindend. Spiele und Gegenspiele, oben und unten. Stimmen von überall her. Musik aus dem Unkontrollierbaren. Die Szene, nicht im Sinne des gewohnten Bühnenbildes — nur fragmentarisch. Die Pfeilerumkleidungen immer im Stimmungsgehalt des Stückes als das räumlich-körperlich Meßbare. Das Mimisch-Gegenständliche nicht im alltäglichen Zusammenhange, so weit und so lang in den sich kreuzenden Lichtstrahlen, wie es das Wort erfordert, rollt an dem Zuschauer vorbei. Der Schauspieler, nicht im „historischen" Kostüm, nur im Typus der Kleidung, „Hemd" oder „Hose" oder „Rock" in Material, Farbe und Schnitt dem Sinn seiner Rolle entsprechend, kann allen Raum um sich voll ausnützen. Nichts hemmt seine raumwirkenden Kräfte, Sein Spiel reicht immer ins Unendliche, „überstrahlt" den Zuschauer, ohne ihn zu erreichen." Tn dem nun folgenden Jahrzehnt sind dem Theaterbaumeister Strnad zweimal — durch Willem Roy aar ds für Amsterdam, durch Max Reinhardt für den Schloßpark von Leopoldskron — praktische Aufgaben gestellt worden. Auch sie sind dann nicht über das Modell hinaus geraten. Aber das hat hier nichts zu sagen. Denn auch ihre Verwirklichungen hätten den Entwürfen entsprochen. Diese zeigen zwei sehr verschiedene Formen: das Royaards-Theater erscheint in einem modernen, kubisch klaren und entschiedenen Zuschnitt, angepaßt der Stadtbauweise von Amsterdam, das Theater am Weiher von Leopoldskron hingegen schmuck- oder geradezu rokokohaft geführt, aus der leich ten Anmut des Ortes und seiner Landschaft geboren. Man kann sich

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