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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 322

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Oskar Strnad und das Theater
Date
1931-07-01
Page
Seite 322 (sequence 12)
Language
German
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322 MEN ORAH Strnad nach Jahren strenger Arbeit 1920 baufertig veröffentlicht hat. In den beigegebenen Zeichnungen erscheint es als ein schlicht verschlossener, mit einer Ordnung von Blendbogen umgebener Rundbau. Umso klarer wirksam die hohe Bogengruppe der rustikalen Vorfahrt und die seitwärts anschließenden niedrigen Einlasse. Zwischen der Vorfahrt und dem Rundhaus ein oblonger Vorbau, der mit seinem flachen Giebel bis an den obern Rand der Haustrommel reicht. Innen besehen, erweist sich dieser Vorbau als Gelenk der gesamten Anlage, jedenfalls aber als Schlüssel zu ihrer Disposition. Denn auf die Vorhalle, die er enthält, folgt in seinem rückwärtigen Drittel: zu ebener Erde der Windfang, der ins Vestibül und Stiegenhaus —, im ersten Stock der Motorraum, der zum Gleis des Bühnenwagens und zu dem rings umlaufenden Beleuchtungsgraben, also im ganzen zum Bühnenboden führt. Erst mit der nächsten Etage setzt der Innenraum des Theaters — die ringförmige Einheit von Bühnen- und Zuschauerraum — ein: im Vorbau die Arbeitsbühne, wo das Szenarium hergestellt wird, im äußern Ring des Hauses der Bühnenwagen, der dieses Szenarium aufnimmt und nach vorn — zwischen die Bühnenöffnungen — bringt, im mittleren Kreis die ersten Sitzreihen des Amphitheaters. Die sechs Pfeiler der Bühne stehen fest. Aber das Segment, das sie fixieren, und damit die größtmögliche Öffnung der Bühne reicht — im Gegensinn und schon darum schwerlos — über das Segment der ersten Sitzreihen hinaus, so daß sich die Zuschauer im äußersten Falle auch seitlich und rückwärts von der Bühne umschlossen sehen, immer aber umschlossen fühlen. Und dieses Gefühl wird bei Gelegenheit nur noch verstärkt durch das Getön der noch weiter hinten eingebauten Einrichtungen der Orgel und des Glockenstuhles. Ein gleitender räumlicher Mechanismus, auch nach oben — durch ein Velum — unbestimmt und für grenzenlose Wirkungen vorbereitet. Aber theatralisch erst verwirklicht durch das Spiel und seine Beleuchtung. „Denn" — so erklärt Strnad die Funktion seines Theaters — „die ideale Bühnenwelt muß die einzige Realität im ganzen Körperkomplex des Spielers und des Zuschauers werden... Nur wenn das gelingt, ist der Raum wieder im Sinne antiken-mittelalterlichen Raumempfindens Einheit im dramatischen Spiel. Von dieser Erkenntnis bin ich beim Entwurf meines Schauspielhausprojektes ausgegangen. Für mich war die Welt der Bühne alles. Ein körperloser Raumkomplex, ein Unendliches. Links und rechts und vor- und rückwärts der Rundhorizont, durch den Lichtgraben unmeßbar. Die Pfeilerumkleidungen, das einzig Endliche, die den Raum überhaupt fühlbar machen, ver-

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