Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Oskar Strnad und das Theater
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 324 (sequence 14)
- Language
- German
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324 MENORAH kaum zwei Eindrücke von schärferer Gegensätzlichkeit denken. Trotzdem sind beide nur Varianten eben jenes barocken Theaters, das Strnad durch das Projekt seines Schauspielhauses überwunden hat. Denn hier muß er sich den gegebenen Umständen, vor allem den Wünschen seiner Bauherren lügen. Und kommt darum beide Male nur zu einem Kompromiß. Die Theater für Amsterdam und Leopolds - krön sind köstliche Proben von Strnad's Einfühlungskraft in jede Aufgabe, belebt von dem geistigen Zauber seiner Persönlichkeit, die am wesentlichsten aus der Anlage und Bewegung der Grundrisse hervortritt. Aber eine weiter reichende grundsätzliche Bedeutung haben sie nicht. Diese stellt sich dar in seinem eigenen Schauspielhaus, das — aut dem Wege der historischen Kultur, maßgebend für ihren lebendigen Fortschritt — das Drama im Räume am vollkommensten verwirklicht. J^fax Eisler DER LEBENDIGE ZIEGEL In den Büchern J^foses ist zu lesen: Und sie sahen den Gott Israels. Unter seinen Füßen war es wie heller Safihir und wie die Flache des Himmels, wenn er klar ist. An diesen Vers anknüpfend, erzählen die Ausleger folgende Begebenheit: Als die Kinder Israel Knechte der Ägypter waren, kam eines Tages ein schwangeres ^W^eib, um ihrem Joanne beim Kneten des Tons und beim Bereiten der Ziegel behilflich zu sein, doch von der schweren Arbeit entfel ihr die unfertige Leibesfrucht und sank in den Lehm. Und das ^SXZeib bereitete aus dem Lehm einen Ziegel. Da stieg Gabriel herab, nahm den Stein, brachte ihn vor den Heiligen, gelobt sei er, und sprach : Siehe, wie deine Kinder erlahmen; sie sind in harter Fron. Und der Herr legte den Ziegel vor sich hin und hielt ihn als Andenken all die Zeit da Israel in Ägypten war. Als nachher das Volk erlost ward, tat der Herr den Stein unter seine Füße, und Licht und Herrlichkeit strahlten aus dem Ziegel. Daher heißt es: Unter seinen Füßen war es heller wie Saphir. Als aber der Tempel zerstört wurde, warf der Herr den Ziegel auf die Erde, und so wehklagt der Prophet: E/r hat die Herrlichkeit Israels vom Himmel auf die Erde geworfen und des Schemels seiner Füße nicht gedacht. Aus: „Messias Legenden", gesammelt von Micha Josef hin Gorion, Verlag Alexander Fischer, Tubingen