Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Oskar Strnad und das Theater
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 320 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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320 ME NORAH gelegt. Aber das allein ist es nicht. Wie bei Shakespeare wird auch bei Strnad der Bühnenraum — also nicht mehr das Bühnenbild — zum Angelpunkt der Gestaltung, die auch den Zuschauerraum miteinbezieht in den Kreis ihrer irrealen Wirkungen. Wie bei Shakespeare wird auch bei Strnad das Requisit der Szene wieder dramatisch. Es wird also die beste Tradition hier wieder lebendig. Nichtsdestoweniger wird sie in einem wesentlich neuen Sinne regeneriert. Das geschieht durch das elektrische Licht. Man wird nach dem Gesagten leicht verstehen, daß Strnad die Entdeckung dieses Lichtes fürs Theater als den Anfang eines epochalen Umschwunges begrüßt. Denn Licht ist ja die reinste elementare Erscheinung des Raumes. Demgemäß ist, was Strnad bei dieser Gelegenheit von den um 1900 unternommenen Versuchen Gordon Graig's aussagt, beinahe schon eine Beschreibung seines eigenen Szenariums. „Craig", so äußert sich Strnad, „verwendet das Licht als raumbildenden Faktor. Es spielt ebenso mit wie das Wort. Nur das Mimisch - Gegenständliche ist (auf der Bühne) sichtbar, alles andere im Dunkeln, also im Unendlichen. Der Raum als solcher wird aktiv .. . Straße, Zimmer, Lampe, Treppe, Bäume, Felsen leben durch ihre Körperlichkeit im selben Raum und im selben Licht wie der Spieler. Sie rücken mit ihm vor und verschwinden mit ihm. Sie nehmen die Raumsituation an, die er annimmt, sie sind so lange wichtig, so lange sie aktiv sind; sie werden unwichtig, wenn sie nicht mehr mitspielen. Das ist wesentlich für den Szenenaufbau. Die Szene darf nicht im Sinne des Bildmäßigen, der barocken Bühne, eine geschlossene Raumsituation vortäuschen. Sie ist selbst Raum. Alles Gegenständliche ist ein Mittel, den Raum zu gliedern, zu bereichern. Aber nur dann ist dieses Mittel berechtigt, wenn es auch mimisch ist. Eine Treppe, die nicht begangen wird, ein Kasten, der nicht geöffnet wird, ein Sessel, auf den sich niemand setzt, sind keineswegs spielunterstützend. Sie lenken ab, sie geben eine Raumbewegung, die nicht tatsächlich ausgeführt wird, sie hemmen die Wirkung des Wortes, sie geben falsche Raumvorstellung. Das Licht wird wichtig, um den Gegenstand im Augenblick der Aktion nicht nur zu zeigen, sondern ihn räumlich von seinem Dahinter und Davor zu trennen. Das Licht wird also im stärksten Maße raumbildend, braucht aber Körperliches als Objekt (wie bei Rembrandt)." Diese Kennzeichnung des Graig'schen Bühnenraumes trifft, wie gesagt, auch auf die Strnad'sche Szene zu. Auch sie ist — vom Lichte entfacht — mimisch und aktiv. Selbst das Ornament —- etwa die