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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 308

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Der Fluch des Vorurteils
Date
1931-07-01
Page
Seite 308 (sequence 2)
Language
German
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308 MENORAH wie mancher vor iiiin, daß die Fremdheit der Juden die Wurzel der Bewegung sei. „Kein Mensch, und wenn er sich noch so «ifrig bemüht, seine Gedanken und Gefühle ausschließlich von der Vernunft leiten zu lassen, kann sich in der Gesellschaft von Fremden so wohl fühlen, wie in der seiner eigenen Leute. Zu viele kleine Unterschiede stürmen auf ihn ein; er kann sich des unbehaglichen Gefühls nicht erwehren, daß er irgendwie preisgegeben, in Unsicherheit sei. Ich glaube, daß dieses Gefühl, ganz ohne Rücksicht auf logische Gründe, genügt, um den ursprünglichen Haß der Christenheit gegen die Juden zu erklären. Sie erhalten ihre Eigenheit besser als irgend eine andere eindringerudte weiße Rasse und bleiben so ewig Fremde. Was man zu oft vergißt, ist die Tatsache, daß der Spieß auch umgedreht wird: daß die Juden sich in Gesellschaft der Christen ebenso unbehaglich fühlen wie umgekehrt. Das Gefühl idter Fremdheit existiert auf beiden Seiten, und es wird auf beiden von derselben leisen und oft unbewußten Feindseligkeit begleitet. „In den Vereinigten Staaten sind die Juden im großen Ganzen sicherer als sonstwo auf der Welt, daher wirkt hier ein außer ordentlicher Druck dahin, diese Gefühle zu überwinden. Trotzdem bestehen sie weiter. Oft genug werden sie grade durch diese Sicherheit noch verstärkt, denn sie bringt streitbare und unkluge Naturen unter ihnen dazu, nur in ihrer Vorstellung existierende Kränkungen aufzugreifen und zu absichtlichen Beleidigungen aufzubauschen...1) „So wunde ich neulich selbst zur Zielscheibe dieser kriegerischen Empfindlichkeit jüdischen Ehrgefühls. Anläßlich einer Darstellung der Religionen2) bemühte ich mich darzutun, was das Christentum dem Judentum alles verdankt; nachdem ich der herrlichen und ganz einzigartigen Leistung der Juden als Dichter gedacht hatte, bemerkte ich nebenher, daß die Juden, wie jedes große J) Folpreu Beispiele für solche Hyperempfindlichkeit bei Juden und Iren. 2) Es handelt sich um das geistreiche Buch „Treatise on the Godsu New York 1930, bei Knopf. Volk, auch die entsprechenden Mängel und Fehler hätten. Der Passus war milde im Ton3) und nahm nur wenige Zeilen in Anspruch, trotzdem erhoben einige Juden von Profession sogleich in den jüdischen Zeitungen ein großes Geschrei, und bald wurde ich als Judenhetzer gebranidmarkt." Der Passus lautet (p. 345 f. des angeführten Buches) im Kontext: „Aber in einer Beziehung wenigstens ist das Christentum allen anderen Religionen überlegen: Es ist erfüllt von blühendster, wundervollster Poesie. Die Bibel ist zweifellos das schönste Buch der Welt. Wenn man noch so viel abzieht — die barbarische Geschichtsschreibung des alten und die dekadiente kleinliche Theologie des neuen Testaments — so bleiben noch immer eine Reihe solch überwältigend prächtiger und entwaffnend lieblicher Gedichte übrig, daß ihnen keine andere Literatur, sei sie alt oder neu, etwas Ähnliches an die Seite zu stellen hat. Daß sie beinahe ausschließlich von Juden geschrieben wurden, ist eine der erstaunlichsten Erscheinungen der menschlichen Geschichte. Denn es gibt wenig im Charakter der Juden, soweit ihn die moderne Welt nämlich kennt4), was auf besondere Erhabenheit des Denkens hinwiese. Selbst Renan, der ihnen sehr wohlgesinnt war, verhöhnte einst den jüdischen Geist als „sans etendue, sans cliversite, sans philosophie" (ohne Breite, ohne Vielgestaltigkeit, ohne Philosophie). Man könnte noch weiter gehen. Es wäre möglich, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit darzutun, daß die Juden das unangenehmste Volk seien, von dem man je gehört habe. So wie man ihnen gemeinhin begegnet, ffehlen ihnen viele der Eigenschaften, die den Kulturmenschen ausmachen: Mut, Würde, Unbestechlichkeit, Ungezwungenheit und Zutrauen. Sie sind eitel ohne stolz zu sein, prachtliebend ohne viel Geschmack, gelehrt ohne Weisheit. Ihre Seelengröße, soweit sie 8) Freilich, nur milde für Mencken, dessen vitriolischen Stil man kennen muß, um das ganz zu beurteilen! *) Man beachte hier wie auch weiter die Einschränkungen!

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