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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Der Fluch des Vorurteils
Date
1931-07-01
Page
307 (sequence 1)
Language
German
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DER FLUCH DES VORURTEILS Von Paula Arnold Unter diesem Titel setzt sich H. L. Mencken in der Mainuimner des „American Mercury" in seiner originellen Art mit dem Antisemitismus, dem Negerhaß und der Psychologie der Verfolgten auseinander. Um diese beachtenswerten Ausführungen richtig zu würdigen, muß man. wissen, wer Mencken ist, und das ist so schnell und leicht nicht zu sagen. Sind doch über — und gegen — ihn schon ganze Bibliotheken geschrieben worden. Wenn ein Mann von kaum fünfzig, Journalist und Schriftsteller, nichts weiter, so viel leidenschaftliche Parteinahme für und wider entfesselt, ist das an sich schon ein merkwürdiges Phänomen. Und Mencken ist in der Tat eine eigenartige Erscheinung, einerseits der „Geist, der stets, verneint", Feind der Demokratie, Gegner der Frauen, impulsiv und rücksichtslos, zu Übertreibungen und schonungsloser Derbheit geneigt — und andererseits ein zarter Schwärmer, Bewunderer des Erhabensten in Musik und Dichtkunst, Kämpfer für Freiheit und Recht, für Verfolgte und Bedrückte. In seinen Schriften ätzend grob, streitbar und arrogant bis hart an die Grenze des Möglichen — im persönlichen Verkehr von bestrickender Liebenswürdigkeit und entwaffnender Bescheidenheit. Mit seiner unnachahmlich scharfen Feder, die der Leidenschaft für Freiheit, dem Haß gegen Quacksalberei jeder Art, gegen Verlogenheit und Demagogie unerschrocken Ausdruck leiht, hat er sich noch in jungen Jahren eine ganz einzige Position im kulturellen Leben Amerikas errungen. Ihm ist es zu danken, daß es in Amerika eine freie Meinungsäußerung und eine unabhängige Presse gibt. Dieser Mann, der Juden zu seinen engsten Freunden und Mitarbeitern zählt, der viele jüdische Schriftsteller entdeckt und anderen durch wärmste Anerkennung geholfen hat, der in seinem ,,American Mercury", der führenden Zeitschrift der amerikanischen Intelligenz, jüdisch-amerikanischen Dingen, von jüdischen Autoren behandelt, den bremsten Raum gewährt —■ dieser Mann ist in letzter Zeit zum Gegenstand einer förmlichen Hetze in der jüdischen Presse Amerikas gemacht und zum Judenfresser gestempelt worden, alles auf eine Auslassung hin, die im Widerspruch steht nicht nur zu seinem Tun, sondern auch zu seinem sonstigen Schreiben. Nach dem früher Gesagten wird man ohne weiteres verstehen, daß starre Konsequenz nicht zu den Tugenden Menckens gehört, ebensowenig wie sorgfältiges Wägen des Ausdrucks, weises Maß und vorsichtige Zurückhaltung. „War' ich besonnen, hieß' ich nicht der Teil." Wir fühlen uns nicht berufen, uns zum Verteidiger Menckens aufzuwerten. Er hat es weiß Gott nicht nötig. Und wir können nicht leugnen, daß der Passus, der so viel Bitterkeit ausgelöst hat, auch uns einen schmerzlichen Stich gab. Aber man darf ihn nicht aus dem Zusammenhang herausreißen — und man darf nicht vergessen, daß es eben Mencken war, der ihn schrieb, derselbe Mencken, der über die Frauen weit schlimmere Dinge sagte als sein Lehrer Nietzsche, der dabei der artigste Kavalier und beste Ehemann ist, derselbe Mencken, der mit viel Befriedigung von sich behauptet, es mache ihm Freude, d'as Getier aufzustacheln (es ist natürlich zweibeiniges gemeint), der unzählige Verleumdungsprozesse über sich hat ergehen lassen, notabene ohne sich je zu verteidigen, der erklärt, er sei immer gegen Professoren und Reformer, aber gleichzeitig Professorenbücher auf das Enthusiastischeste bespricht. Wir lassen nun Mencken selbst zu Worte kommen, wobei wir an der geeigneten Stelle den anrüchigen Passus einfügen. Er beginnt mit der Kritik eines Buches („Christians Only" von Heywood Broun & George Britt, New York, Vanguard Press), das vom Judenhaß in den U. S. A. handelt und meint dann,

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