Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Was der Baumeister Salman erzählt
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 305 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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WAS DER BAUMEISTER SALMAN ERZÄHLT 305 und zieht langsam die rechte Hand aus der Tasche, wo sie bisher die ganze Zeit steckte. Umständlich legt er die Hand auf den Tisch — eine schwere Hand, in die sich Lehm und Ziegel so fest eingefressen haben, daß alle Wasser der vielen glücklichen Jahre die Spuren nicht mehr fortwaschen können. Dann klopft Salman, ohne ein Wort zu sprechen, mit dem Zeigefinger auf den Tisch. Die Gäste schauen erwartungsvoll auf seinen Mund, doch nicht auf den Zeigefinger. Da sie nichts bemerken, ruft Salman ungeduldig: „Nun!" Dabei deutet er mit einer Bewegung des Kopfes auf seinen Zeigefinger. Jetzt erst sehen die anderen, daß an dem Finger ein Ring mit einem riesigen Brillanten steckt. Allgemeines „Ah" der Bewunderung und erregtes Kratzen der Köpfe. Alles drängt ungestüm zum Tisch, um zu schauen, zu betrachten, zu betasten. Salman aber fragt: „Nun — ist meine Hand anders als sonst?---" Ja, das war ein denkwürdiger Abend, von dem die Bewohner der „Rinne" noch lange sprachen. Sie wünschen, es gäbe viele solcher Nachtgespräche. Dabei bekommt das Leben ein ganz anderes Gesicht. Wahrlich, sie können ihm zuhören, ohne je müde zu werden, bis tief in die Nacht, mag der Tag noch so schwer und mühevoll gewesen sein! Salmans Erzählungen sind eine richtige Erfrischung! . . . Wenn er dann zu Ende ist und von seinem Platz aufsteht, um heimzugehen, wenn auch alle übrigen sich erheben, dann herrscht eine Stimmung wie am Sabbat nach der Hawdoloh. Vorüber ist der Ruhetag, die Woche hat begonnen. Ja, noch schlimmer — es ist, als wäre die Sonne untergegangen, die nach langen düsteren Tagen eine kurze Zeit geschienen, und der Himmel wird trübselig grau umwölkt wie zuvor. Jetzt ist wieder die Müdigkeit in allen Gliedern zu spüren, jetzt fühlt jeder wieder sein bitteres Elend und seine, ach, so trostlose Einsamkeit . . . Und gar erst der Heimweg! Wenn sie die Tür der Schenke öffnen, fällt der erste Blick auf die liebliche ,,Rinne". Sie ist finster wie eine Höhle. Vereinzelte Gaslaternen, meilenweit voneinander entfernt, geben ein düsteres Licht. Mühsam wahrnehmbar die verfallenen Hütten, die grau und dunkel daliegen. Selten dringt der armselige Strahl eines Petroleumlämpchens durch den Spalt eines Ladens. Und was sich hinter den geschlossenen Fensterladen verbirgt — ach! Auch Salman wirft beim Verlassen der Schenke einen Blick auf das Dunkel der ,,Rinne". Rasch sucht sein Auge jene Stelle, wo er einst in Mühsal und Not gelebt, das Haus, wo er geboren wurde und viele Jahre verbracht hat. Dabei murmelt er: „Man müßte doch dazuschauen,