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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 304

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Was der Baumeister Salman erzählt
Date
1931-07-01
Page
Seite 304 (sequence 14)
Language
German
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304 MENORAH ,,Ps—s—st, Wunder über Wunder! Stellt euch nur vor — Perlen haben eine ganz besondere Eigenschaft: sie wollen getragen werden!" Die Zuhörer begreifen nicht. Sie zwinkern mit den Augen, werden unruhig, als hätten sie nicht recht gehört und warten auf eine Erklärung. Sie läßt nicht lange auf sich warten: „Das bedeutet," — fährt Salman fort — „daß sie umso schöner und wertvoller werden, je länger man sie trägt. Das größte aller Wunder aber ist, daß die Perlen, diese Meersteinchen, sich nicht mit jedem Menschen vertragen. Den einen Hals lieben sie und zieren ihn ganz wundervoll, spielen alle Farben und leuchten auf ihm, als hätten sie Blut und Leben in sich. Einen anderen Hals aber mögen sie nicht, jawohl, sie mögen ihn einfach nicht — und dann tun sie, als wären sie gestorben, sind bleich und kalt wie der Tod! Da gibt es kein Mittel — gestorben ist gestorben! Ich wollte es nicht glauben, aber jetzt sehe ich es jeden Tag mit meinen eigenen Augen. Wenn meine Frau die Perlen anlegt, ist es ein Vergnügen, sie anzusehen. Nimmt aber meine Schwägerin sie in die Hand, dann glaubt ihr, sie wären keinen Groschen wert und würdet das Zeug am liebsten wegwerfen!" Staunend ziehen die Zuhörer die Schultern hoch und blicken einander an: Solche Wunder! Und sie beben vor Erregung . . . J\.n anderen Abenden erzählt Salman von dem Schmuck seiner Töchter und Schwiegertöchter — nicht um zu prahlen, sondern um immer von neuem sein großes Glück zu erleben. Er selbst ist stets schlicht gekleidet und vergißt nie, seine Zuhörer daran zu erinnern. Und wenn er von den Ringen seiner Söhne erzählt, zuckt er in ungeheucheltem Nichtbegreifen mit den Achseln: „Wie kann man derlei an den Fingern tragen? Ich könnte nicht einmal einen Ehering am Finger dulden!" Elje, ein junger Fuhrmann, der ständig eine Zigarette zwischen den dicken, um die Nägel braungebeizten Fingern hält, bemerkt dazu: ,,Ein Brillantring am Finger ist doch schön. Dieser Tage habe ich dem reichen Israel Kahan eine Warenladung zugestreift. Er mußte den Lieferschein unterschreiben und dabei hat er die linke Hand aufs Papier gelegt. An der Hand aber blitzte ein Brillantring und da hat sie wirklich ganz anders ausgesehen!" Am nächsten Abend betritt Salman sehr gut gelaunt die Schenke, ein schlaues Lächeln um die Lippen. Seine Gemeinde erkennt sofort, heute werde es etwas besonderes geben. Salman aber nimmt auf seinem gewohnten Sitz obenan am längsten Tische Platz, bestellt sein Bier

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