Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Was der Baumeister Salman erzählt
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 298 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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298 MENORAH ausführen. Und im nächsten Augenblick nennt der Meister eine unsinnig hohe Summe, fast ein Vermögen! Vielleicht war er damals besoffen oder nicht recht bei Trost. Und gerade das war mein Glück. Wie der Jude den Preis hört, schüttelt er sich vor Lachen: Für dieses Geld kann er sich ein dreistöckiges Haus bauen lassen. Ein Wort gibt das andere, bald fluchen Meister und Kunde und liegen sich beinahe in den Haaren. Inzwischen lasse ich die Arbeit stehen, schiebe mich unbemerkt zur Tür hinaus und warte, bis der Jude weggeht. Ich ihm nach: ,So und so steht die Sache, Herr Nachbar, ich kann den Zubau um so und so viel fertigstellen.* Ich nenne ihm den Preis, den ich mir berechnet habe, ohne etwas draufzuschlagen, um es aufs Feilschen ankommen zu lassen. Der Jude betrachtet mich von oben bis unten: ,Wer bist du, lieber Freund? Woher kommst du?' Ich sage es ihm und füge hinzu: ,Was liegt daran, wer ich bin und woher ich komme? Ich kann den Zubau für so und so viel fertigstellen und es wird ein Zubau sein, der sich sehen lassen kann.' Der Jude streicht den Bart, denkt eine Weile nach und beginnt dann zu feilschen. Da fällt mir ein, zu sagen: ,Wenn ich einen Preis nenne, so ist er fest, dabei ist nichts aufgeschlagen und nichts abzuhandeln.' Das habe ich damals gesagt und dabei ist es seither geblieben. Das weiß die ganze Stadt — bei mir gibt es nur feste Preise. Da heißt es Ja' oder ,nein' sagen. Mit mir zu feilschen ist vergebliche Mühe. Damals freilich habe ich rasch hinzugefügt, ich könnte den Bau billiger herstellen, wenn der Auftraggeber mir das Geld für Material und Löhne vorstreckt. Der Mann sah ein, daß dieser Handel für ihn lohnend ist, war einverstanden und hat mir den Bau übertragen. Das war meine erste große Arbeit für eigene Rechnung — es war der Zubau zum Hause des Buchbinders Josua. Er steht noch heute, als wäre er eben erst fertiggestellt. Ihr alle kennt sicher das Haus! Ich gehe noch jetzt gern vorüber, bleibe ein wenig stehen und sehe mir meine erste Arbeit an. Sie ist ja doch der Beginn meines Aufstiegs, die erste Stufe! Wie ein Pferd hab' ich daran gearbeitet, aber es hat sich gelohnt — ich habe an der Sache verdient, gut verdient — und vorbei!" An den Tischen ringsum sitzen die schwerfälligen Gestalten, in ihre Armut gehüllt, schmutzig und zerlumpt, die Menschen der „Rinne" mit ihren traurigen Tagen und den noch traurigeren Nächten, und sie lauschen atemlos der ,,Wundermär" von der ersten „Stufe" zu des Baumeisters Salmans Reichtum. Ihre Augen leuchten. Aber bei Salmans letzten Worten atmen sie erleichtert und befreit auf: Vorbei, he--das ist ein feines ,Vorbei'!"