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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 299

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Was der Baumeister Salman erzählt
Date
1931-07-01
Page
Seite 299 (sequence 9)
Language
German
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WAS DER BAUMEISTER SALMAN ERZÄHLT 299 Salmans Kleidung ist schlicht, sehr schlicht. Er achtet bloß darauf, daß sie nicht schmutzig und zerrissen sei — schließlich kommt man ja zu besseren Leuten. Er trägt weder Ringe noch goldene Busennadeln, bloß eine billige Silberuhr an einem dünnen, schwarzen Band. Er hat sie noch in den ersten Jahren gekauft: ,,Eine Uhr ist kein Schmuckstück, eine Uhr braucht jedermann." Was finge er auch ohne Uhr an, da jede Minute bei ihm ihre Einteilung hat? Die Hauptsache ist, daß die Uhr richtig geht: „Meine billige Uhr geht so genau, daß ich sie nicht für eine goldene hergeben würde, selbst wenn sie mit Brillanten besetzt wäre. Aber meine Frau — sie ist doch ein Weib! — liebt den Tand. Sie hat ein Ührchen, aus Gold und mit Brillanten besetzt, das ganze so groß wie ein Fingernagel — und es geht auch darnach. Stellt euch eine Uhr vor, die Launen hat! Wenn man sie auf den Tisch legt, geht sie. Steckt man sie aber zu sich, dann rührt sie sich nicht. Entschließt sie sich aber einmal zu gehen, dann tut sie's ausgiebig — in einer Stunde gleich zwei! Aber braucht denn meine Frau ihre Uhr der Zeit wegen? Sie will ein Schmuckstück!" „Da hab' ich ihr vor einigen Tagen eine Brosche gekauft — das ist eine Brosche, die sich sehen lassen kann! Mit s o großen Brillanten" — dabei kerbt er den Daumen in das erste Glied des linken Zeigefingers; es ist ein dicker Finger und er trägt in seinen Falten noch immer die Spuren der harten Arbeit mit Lehm und Ziegeln. „S o groß sind die Brillanten! Die ganze Brosche sieht ungefähr s o aus" — mit beiden Händen zeichnet Salman die Umrisse des Schmuckstückes auf der Tischplatte und alle Zuhörer folgen gespannt seinen Bewegungen — „Und der ganze Rand, wie er verläuft, ist mit Brillanten besetzt, Ihr solltet sehen, wie das funkelt und blitzt — Regenbogen, Sonnen, Monde, Sterne, Fackeln, ein ganzes Feuerwerk!" „Ihr habt wohl noch keine Brillanten gesehen, sicher keine in der Hand gehabt." — die Zuhörer bestätigen es mit leichtem Lächeln, jedoch wortlos, um ihn und sich selbst nicht abzulenken — „Wie soll ich sie euch beschreiben? Ein Brillant ist ein Steinchen, eben ein Edelstein. Er sieht aus wie ein Stückchen geschliffenes Glas, mit vielen Ecken und Flächen wie die Kristalle an den Hängeleuchtern in der neuen Synagoge — die habt ihr doch gesehen? Aber die Kristalle sind — eben Kristalle aus gewöhnlichem Glas, die einen Fünfer wert sind, und die Brillanten sind — Brillanten und sind einen Haufen Geld wert. Man muß nur sehen, wie sie glitzern! Jeder einzelne hat seinen eigenen Glanz. Der seitwärts leuchtet rot, sein Nachbar gelb, der andere dort unten grün, der über ihm wie eine lodernde Flamme. Und im nächsten

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