Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Was der Baumeister Salman erzählt
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 297 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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WAS DER BAUMEISTER SALMAN ERZÄHLT 297 Keiner rührt sich. Alle bannt das Staunen fest und der Wunsch, Salman möge weitererzählen. Nur weitererzählen! Und Salman redet unablässig. Er liebt es, immer wieder nach rückwärts zu schauen, die Geschichte seines Aufstieges und seiner Erfolge durchzunehmen. Er hat stets gewußt, daß er sich von der „Rinne" losreißen wird. Das war irgendwie in ihm und er war sicher, wenn nur die Gelegenheit kam, würde er schon loskommen. Und so geschah es auch .. . U nd Salman erzählt von der Zeit, da er ein armer Arbeiter war, der kaum das tägliche Brot verdiente. Hier in der Gaststube sind Zeugen seiner Armut. Ein großer Teil seiner Zuhörer, fast alle erinnern sich dieser Zeit. Er war ein armer Schlucker nach allen Regeln der Kunst, der in der „Rinne" geboren wurde und, wie es den Anschein hatte, auch dort sterben sollte: „Aber ich war kein Dummkopf und kein Faulpelz. Immer war ich darauf aus, etwas nebenher zu verdienen. Der ganze Tag gehörte dem Meister. Aber bei einem gab's einen Ofen zu richten, beim andern rauchte der Schornstein — für solche Arbeiten war die Nacht da und wenn es nötig war, arbeitete ich die Nacht durch. Da sitzen ja viele, die sich daran noch erinnern müssen!" Er nennt ihre Namen und ruft jedem einzelnen ins Gedächtnis zurück, welche Reparatur er bei ihm durchgeführt hat und zu welcher Zeit. Und alle, die er genannt hat — der Fuhrmann Itsche, der Schneider Schlojme, der Schuster Jojne, der Bürstenbinder Mojsche, alte graue Männer, welche die Armut ausgetrocknet hat — kratzen sich erstaunt die Köpfe: Wie konnte er nur so etwas im Gedächtnis behalten? Sie selbst hätten es schon längst vergessen, sagen sie, natürlich um ihm zu schmeicheln. Dabei lachen sie und geben durch Achselzucken und eine wegwerfende Handbewegung zu verstehen: Das waren schöne Arbeiten! Daran konnte man wahrhaftig dick verdienen! „Ja, das ist freilich wahr. Dieser Verdienst reichte kaum für das Wasser zur Grütze. Aber ich habe dabei gelernt allein zu arbeiten und bekam dadurch das Gefühl der Selbständigkeit. Eines Tages nun kommt ein Jude zu meinem Meister. Er will einen Zubau, so und so breit und lang, herstellen lassen. Was soll das kosten? Der Meister beginnt zu rechnen, nimmt die Finger zu Hilfe, runzelt die Stirn. Ich stehe dabei und rechne auch. Es war mitten in der Arbeitszeit, ich mußte auf meine Ziegel achten und hatte die Finger zum Rechnen nicht frei. Im Kopfrechnen war ich nie sehr stark und doch habe ich damals — das muß rein Gott mir eingegeben haben — sofort berechnet, ich könnte die Arbeit, wenn ich sie übernehme, für so und so viel