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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 293

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Was der Baumeister Salman erzählt
Date
1931-07-01
Page
Seite 293 (sequence 3)
Language
German
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WAS DER BAUMEISTER SALMAN ERZÄHLT 293 Ach, wie schwer war es doch, sich dem Vergessen zu entreißen, das die uralte Schenke bot! Die lange breite Gaststube mit der großen helleuchtenden Lampe war ein so behaglicher Aufenthalt, und gar, wenn der Mann zugegen war, der die beste Zerstreuung brachte und es seinen Zuhörern so wohl ums Herz machen konnte, — der Baumeister Salman! Er war ein Ausnahmefall. Einst war auch er ein Bewohner der „Rinne" gewesen, ebenso arm und elend wie alle ihre Insassen, ein Maurer, der für Hungerlohn arbeitete. Und dann hatte er selbständig zu bauen begonnen und aus dem armen Arbeiter war ein steinreicher Bauunternehmer geworden, der die Mietkammer der verfallenen Hütte in der „Rinne" mit einem eigenen prachtvollen Hause in einer der schönsten Straßen der Stadt vertauschte. Aber Salman wollte die „Rinne" nicht vergessen, er machte keinen Umweg um sie und mied auch nicht die Begegnung mit seinen früheren Nachbarn. Ihre verfallenen Hütten baute er wohl nicht um, pflasterte auch nicht ihre Gassen trocken und versuchte nicht, den vielfältigen Nöten ihrer grausamen Armut abzuhelfen. Doch dadurch hätte er auch den Bewohnern der „Rinne" nicht so viel Freude und Glück geschenkt und sie so begeistert wie durch sein schlichtes Wesen, seine Freundlichkeit und Kameradschaftlichkeit, vor allem aber dadurch, daß er sie einen Blick in die Welt der prächtigen Wohnräume und des Überflusses an Geld, Gold und Edelsteinen, in das Reich der wirklich Satten tun ließ. Oh, der Baumeister Salman, Held unzähliger Geschichten, die er über sich und seinen Reichtum erzählte, — er war ein Zauberer, ein Freudenbringer, der seine Zuhörer, die armseligen Bewohner der „Rinne", in eine andere Welt versetzen konnte, der es vermochte, ihren Atem stocken zu lassen und sie in Rausch zu versetzen, als hätte er ihnen starken Wein gereicht! Wie ungerecht waren doch alle jene, die — aus Bosheit oder Kurzsichtigkeit — Salman den Beinamen „Prahlhans" gaben! Er selbst war überrascht, als das große Glück zu ihm kam und konnte den jähen Aufstieg nicht recht fassen. Vor kurzem noch hatte er in der „Rinne" in Not, Elend und Schmutz gehaust, ständig von den Schreckbildern des Irrenhauses und des Friedhofs umgeben, die Schenke als einzige Zuflucht — und plötzlich wrohnte er in einem eigenen Haus, besaß Gold, Schmuck und eine Menge Geld, und führte ein großes Unternehmen. Da mußte er davon sprechen, immer wieder sprechen — es war wie ein Zwang, die Zunge mußte freien Lauf ha

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