Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Blinde modellieren
- Date
- 1931-05-01
- Page
- 267 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Plastikoersuche von Blinden; ausgeführt von Zöglingen des jüdischen Blindeninstituts in Wien andere macht, also mit den Fingern sehen zu lernen. Die Themen werden aus dem täglichen Leben genommen, wobei man sehr achtgehen muß, daß nur wirklich vorhandene Begrilfe verwendet werden. Manchmal werden auch Gegenstände geformt, die die Kinder im Schulunterricht kennengelernt haben, besonders als Hille für den Naturgeschichtsunterricht, für Geschichte und Geographie. Kleine Landschaften, die den Kindern wohlbekannt sind, werden nachgebildet, zum Beispiel der Beethovenpark in Heiligenstadt; sie formen Wagen und Pferde; ein Junge vom Lande macht eine prächtige Kuh mit säugendem Kälbchen; auch andere Tiere werden modelliert. Und an dem Nachmittag, als ich die Schule besuchte, wurde gerade ein sehr aufregendes Experiment unternommen: alle modellierten ein Dampfschilf, wiewohl nur vier von den zwölfen wirklich ein solches kannten. Die Gefahr, die durch das Nachbilden solch unvollkommen erkannter Objekte entstellt, ist nach dem oben Gesagten klar: die Blinden neigen dazu, mit oberflächlich bekannten Begriffen sowie mit leeren Worten zu jonglieren, sie überschätzen oder unterschätzen auch häutig ihre Fähigkeiten, und Aufgaben, welche die Phantasie zu sehr anregen, bringen leicht schwere Enttäuschungen und in der Folge Depressionen. In diesem Falle entschloß sich der Lehrer zu dem Experiment, weil diejenigen Kinder, die eine Fahrt auf der Donau genossen hatten, den anderen ihre Erfahrungen so anschaulich zu schildern wußten, wobei sie im Garten mit umgestürzten Tischen und Bänken und Seilen und Stangen im Handumdrehen ein Dampfschiff konstruierten, daß er hoiVen konnte, die Kinder wüßten genug über das Thema, um so mehr als sie