Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Zwei jüdisch-arabische Märchen aus Marokko
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 259 (sequence 3)
- Language
- German
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ZWEI JÜDISCH-ARABISCHE MÄRCHEN 259 wortete: ,,Er ist ins Haus gelaufen, geschlachtet worden und kascher/' Sie kamen ins Haus zurück und fanden alles in Ordnung. Als die Zeit des Abendessens kam, setzte man sich an den Tisch, machte die Beracha über den Wein und über das Brot und brachte die Suppe. Da schwor der Jüngling, er werde nicht essen, wenn sie ihm nicht das erklärten, was er in dem Carlen gesehen habe. Aber unser Stammvater Abraham — kein anderer als er war der Vater des Mädchens — sprach: ,,113, mein Sohn, und morgen, wenn der Sabbat vorüber ist, werden wir es dir erklären/* Der Jüngling sagte: .,Schwör es mir!" Abraham schwor, und der Jüngling aß. Beim Ausgang des Sabbal machten sie die Beracha zur Havdala. Dann sprach der Jüngling zu Abraham: ..Mein Herr, ich bitte dich, erkläre mir nun die Sache, wie du mir geschworen hast." Abraham er widerte: „Mein Sohn, du sollst wissen, daß ich dir die zwei Standbilder am Tor des Caiiens nicht vor der Ilochzeilsnacht erklären kann. Aber die Frau, die an ihren Haaren aulgehängt ist, pflegte sich zu kämmen und ihren Kopf nicht zu betlecken. Deshalb wurde sie so aufgehängt. Die andere Frau, der man Weizenbrot hinreichte und, wenn sie es greifen wollte, immer Gerstenbrot gab, trieb Handel und aß selbst Weizenbrot, während sie den Armen Gerstenbrol gab. Nun tut man ihr. was sie getan. End die zwei, die mit einem schwarzen Tuch bedeckt sind, das sind deine Ellern." Da wurde der Jüngling traurig und fragte unseren Stammvater Abraham: „Um welchen Preis können sie selig werden?" Abraham antwortete: „Mein Sohn, du sollst wissen, daß es einen Wald von eisernen Spitzpfählen gibt. Du mußt nackt dorthin gehen und dich dauernd auf ihnen drehen. Wenn du heil herauskommst, dann werden jene selig werden." Sogleich sprach der Jüngling zu dem Mädchen: ,,Um Gottes willen, geh mit mir und zeige mir den Ort. wo der Wald ist." Das Mädchen ging mit ihm, zeigte ihm den Wald und sprach: ,,Das ist er." Der Jüngling sagte: ..Geh ein wenig fort, damit ich meine Kleider ausziehen kann." Das Mädchen ging. Er zog seine Kleider aus und ging hinunter. Als er sich drehte, da drang ihm ein Pfahl mitten ins Herz, und er blieb gefangen. Das Mädchen sah es. Sie lief zu seinen Kleidern und fand einen Gürtel, an dem sie sah, daß er ihr „Glück"1) sei. Sie ging zu ihrem Vater Abraham und sprach zu ihm: „Vater, wisse, daß dieser Jüngling mein „Glück"1) ist. Und nun ist er gefangen; was soll ich 3) d. h. der ztikimftige Gatte.