Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Zwei jüdisch-arabische Märchen aus Marokko
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
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258 MENORAH zu ihrem Vater zurück, erzählte ihm alles und blieb daheim wie früher. Später kam der andere Bruder, und ihm geschah das Gleiche wie dem ersten Bruder, worüber wir uns nicht verbreiten wollen. Nach einiger Zeit erinnerte sich ihr jüngster Bruder seiner Brüder. Er ging zu seiner Dienerin und befahl ihr, das Haus zu besorgen und Wohltätigkeit zu üben wie immer. Sie antwortete ihm: „Mein Herr, ich werde alles tun, was mir möglich ist." Dann machte er sich auf die Wanderung, um seine Brüder zu sehen, aber er fand sie nicht. Der Junge wanderte und zog des gleichen Wegs, den seine Brüder gegangen waren. Als er Durst bekam, sprach er: ,X) Gott, was soll ich tun, da ich doch nichts habe, womit ich mir meine Hände waschen könnte, um Mincha zu beten?*' Er erhob seine Augen und sah den Brunnen. Er ging hin, traf das Mädchen und sprach zu ihm : ..Mädchen, um (ioltes — er sei gepriesen — wegen gib mir ein wenig; Wasser, damit ich meine Hände wasche. ' Sie antwortete: ,.Komm mit mir ins Haus, da will ich dir Wasser geben." Er ging mit ihr. sie gab ihm Wasser, und er wusch sich die Hände und beide. Nachher trank er und sprach dabei die Beracha. Da lief das Mädchen zum Valer und sprach zu ihm: ..Valer, du sollst wissen, daß heute ein Mann gekommen ist. der mich um Wasser bat. Ich gab ihm den Krug, und er wusch seine Hände und trank, aber das Wasser blieb im Krug/' Der Vater erwiderte: ,.Das ist mal ein wohlerzogener Mensch. Sag ihm, er möge bleiben, um den Sabbat bei uns zu verbringen." Das Mädchen ging und sagte dem Jüngling, was ihr Vater ihr aufgetragen hatte. Er blieb und war froh, daß er einen Ort gefunden hatte, an dem er den Sabbat verbringen konnte. Am Freitag sprach das Mädchen zu ihm: „Komm mit mir, wir wollen einen Ochsen holen und schlachten." Er sagte: „Gut, laß uns gehen." Als sie miteinander gingen und das Mädchen merkte, daß er nicht so war wie die Ersten, begann sie, zu ihm zu sprechen. Da ging er eines anderen Weges und verließ sie. Als sie ihm folgte, sprach er zu ihr: ,,Laß mich in Ruhe, ich darf nicht mit dir sprechen." Sie gingen, bis sie zum Eingang eines Gartens kamen. Da sah er zwei Bildsäulen stehen, eine zur Rechten und eine zur Linken des Tores. Aber er fragte nicht. Sie traten in den Garten ein; da fand er eine Frau, die an ihren Haaren aufgehängt war. Auch fand er eine andere Frau, der man Weizenbrot hinreichte; wenn sie es aber ergreifen wollte, gab man ihr Gerstenbrot. Ferner fand er zwei Menschen, die mit einem schwarzen Tuch bedeckt waren. Er sprach zu dem Mädchen: ,,WTo ist denn der Ochse?" Sie ant-